Mittwoch, 30. Oktober 2013

Die Hysterie des Ausspähens

Gestern abend habe ich die aktuelle Spiegel-Titelgeschichte zum Thema NSA gelesen. Der Spiegel hat enthüllt, die Enthüllungen werden mit Ausschnitten belegt und scheinen zu stimmen. Es handelt sich offensichtlich um Material aus dem nur wenigen Auserwählten zugänglichen Snowden-Archiv. Es ist klar, dass in einem Land, in dem Finanzminister Geld für gestohlene Steuer-CDs zahlen, der Datendiebstahl Edward Snowdens als eher geringes Übel eingeschätzt wird, auch wenn man ihn nicht nach Deutschland einladen will. In Amerika ist er schlicht und einfach ein Verräter. Die Verniedlichung als Whistleblower, kommt dort nicht so gut an.
Nun wurde auch aufgedeckt, dass die wissensdurstigen Amis auch das Handy von Angela Merkel abgehört haben, was sicherlich eine Frechheit unter Freunden ist.

Nun überlege ich, welcher Nachteil unserem Land eigentlich daraus entstanden ist? Unser Land steht mit seiner Wirtschaft derzeit besser da als jede andere Nation. Uns geht es gut, wir sind in keine kriegerischen Handlungen mehr verwickelt, das Land ist trotz Schulden- und Eurokrise politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich stabil. Die Amerikaner machen ohnehin was sie wollen und für ihr Land richtig halten. Engländer, Franzosen, Russen und Chinesen übrigens auch. Und selbst die allwissende DDR-Stasi mit ihren 700 000 Spitzeln hat uns nicht wirklich in Schwierigkeiten gebracht. Wenn alle alles über alle wissen, hebt sich das vielleicht auf.

Wenn man Terroristen sucht, und das ist ja die Hauptrechtfertigung der NSA für ihre Ausspähungen, muss man sicher nicht das Handy von Angela Merkel abhören. Was könnte die NSA also mitgehört haben. Hier ein paar mir von Snowden persönlich zugespielte Ausschnitte:

  • Ein Gespräch mit Seehofer über die Mautgebühr ("Horst, persönlich finde ich die Idee ganz gut")
  • Ein Gespräch mit Altmayer über die Energiewende( "Peter, wir müssen da wohl was machen")
  • Ein Gespräch mit ihrem Ehemann ("Du ich komm heut abend wieder etwas später...")
  • Ein Gespräch mit Volker Kauder ("Wie stelle ich den Wirtschaftsflügel der CDU ruhig?")
  • Ein Gespräch mit Thomas de Maiziere: ("Du Thomas, lass uns ein paar von den treuen Afghanen nach Deutschland mitnehmen")
  • Ein Gespräch mit Sigmar Gabriel ("Du Sigmar, die große Koalition ist für uns beide doch ne prima Sache, lass uns das jetzt durchziehen")
  • Ein Gespräch mit Guido Westerwelle: ("Du, Guido, war doch ne prima Außenpolitik, machs gut, alter Junge")

Welchen Erkenntnisgewinn hat die NSA und die amerikanische Regierung daraus gewonnen?

Wahrscheinlich nichts, was die Politik von Bush und Obama irgendwie maßgeblich beeinflusst hat. Vielleicht wollten die Amerikaner uns nur ärgern? Schließlich hatten sie sich damals über Schröder geärgert, als dieser den Einmarsch in den Irak zum Wahlkampfthema machte. Und später dann in den Aufsichtsrat der russischen Gazprom wechselte.  Das wäre ja eine ganz menschliche Erklärung, finde ich. Die Aufregung hier zeigt ja auch, dass es gelungen ist, uns zu ärgern.
Und sonst? Im Westen nichts Neues. Spioniert wurde schon immer, und dass die Botschaften voller Spione sind, weiß auch jeder. Mit Google und Facebook haben die Amerikaner inzwischen das Ausspähen privatisiert. Wozu also die ganze Aufregung?





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