Dienstag, 6. August 2013

Der Verkauf der Washington Post

für 250 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen hat Amazon-Gründer Jeff Bezos die Washington Post mit ihren 2000 Beschäftigten gekauft. Die Watergate-Enthüller! Was für eine Nachricht!
Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht?
Es kommt darauf an. Journalisten könnten sich verkauft fühlen, wenn beispielsweise Rudolf August Oetker die neue Osnabrücker Zeitung oder die Badischen Neuesten Nachrichten übernähme.
Oder was wäre, wenn BMW-Erbe Stefan Quandt die WELT kaufte?  
Dennoch, ich finde die Idee durchaus charmant: Newcomer als private Verleger statt unternehmensberatungsinfizierte Konzerne.
Verlegern alten Schlages kam es nicht wirklich auf Profite an, sondern auf Einfluss und Prestige, auf politische Tendenzen und auf die Wächterfunktion in einer Demokratie.
So hat Axel Springer seine Zeitungen gegründet, Rudolf Augstein den Spiegel, Gerd Buccerius die ZEIT und andere Verleger manche Regionalzeitung.Vielleicht ist es wichtig, dass Journalisten solche verlegerischen Ambitionen wieder mehr im Blick haben als die ständige Sorge vor einem Ende des Journalismus. Dass der Gründer von Amazon jetzt eine eigene Zeitung haben will, finde ich in jedem Fall spannend, es ist ja nicht das erste Mal: Der renommierte Boston Globe wurde gerade von einem Unbekannten namens John W. Henry gekauft, der auch mehrheitlich den FC Liverpool besitzt. Schon 2007 ging das Wallstreet Journal bekanntlich an Rupert Murdoch.
Wie sieht also der künftige Verleger aus? Wann kauft sich Zuckerberg die New York Times? Und wann Bill Gates die Financial Times? Milliardäre haben wir doch genug. Und vielleicht würden sich die Aldi-Brüder auf ihre alten Tage auch noch eine paar Regionalzeitungen gönnen, in denen sie ihre eigenen Anzeigen dann billiger schalten könnten?
Sind Milliardäre die Rettung von Print? Könnte sein, wenn wir nett zu ihnen sind. Aber nur mit Journalisten, die auch weiterhin gern auf bedrucktem Papier schreiben.
Ach ja, die Digitalisierung, fast vergessen. Nun, davon versteht Jeff Bezos zweifellos eine Menge, mal sehen, wie er damit umgeht..

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