Dienstag, 27. August 2013

Aufruhr beim SPIEGEL

Es ist das ureigene Recht eines Chefredakteurs, sich seine Stellvertreter auszusuchen. Wolfgang Büchner, zuvor Chefredakteur von dpa, hat sich Nikolaus Blome als Stellvertreter ausgesucht. Die Ressortleiter des SPIEGEL und die Mitarbeiter KG(die 50,5 % der Stimmen des SPIEGEL besitzt) sind geschlossen dagegen.

Nikolaus Blome ist ein hervorragender Journalist - einer der besten in Deutschland.  Er ist Absolvent der Henri-Nannen-Journalistenschule, mit dem "Theodor-Wolff-Preis" und weiteren Preise ausgezeichnet. Seine Medienkarriere ist makellos. Er ist ein politisches Schwergewicht als Leiter des Hauptstadtbüros von BILD. Mit seinem Mut zur Meinung hat er zwar nicht immer richtig gelegen - etwa als öffentlicher Verteidiger des gescheiterten Guttenberg. Das passiert freilich auch Spiegel-Redakteuren gelegentlich. Sein Kontrahent bei Phoenix in "Augstein und Blome", Jakob Augstein, hat ihn jedenfalls kennen und schätzen gelernt.
Und nun blockt eine ganze Redaktion. Es erinnert mich an 1983, als Johannes Gross nach der Affäre um die angeblichen Hitler-Tagebücher gemeinsam mit Peter Scholl-Latour die Chefredaktion des Stern übernehmen sollte. Die Redaktion protestierte heftigst, sie befürchtete einen "Rechtsruck" (heute kaum zu glauben). Gross trat den Posten gar nicht erst an, Scholl-Latour schmiss nach einem Jahr hin. Und seitdem steckt der Stern permanent in der Krise.

Büchner und Blome werden deswegen bald zurücktreten, bevor sie überhaupt angetreten sind, das scheint mir sicher. Doch damit löst der SPIEGEL sein Problem nicht: Dass die Mitarbeiter die Mehrheit dieses Magazines bestimmen, hat auch Augstein in seinen letzten Jahren bereut. Redakteure, die Chefredakteure verhindern oder verhindern können, schaufeln sich auf die Dauer ihr eigenes Grab.
Nach dem Rauswurf von Mascolo und Blumencron, jetzt also der nächste Streit.  Kein Wunder, dass der Spiegel in den letzten Monaten einen dramatischen Zuwachs an Langeweile produzierte.
Vor einigen Jahren habe ich einmal einen Wiener Philharmoniker gefragt, wozu diese Besten aller Besten überhaupt einen Dirigenten brauchen.
"Wir werden sonst immer langsamer - bis hin zum Stillstand", so seine Antwort. Das passt sicher auch für den SPIEGEL.

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