Montag, 22. Juli 2013

Gastkolumne: Solarwatt warnt vor der Rolle rückwärts


Im Handelsblatt hat Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus energisch
vor der  "Rolle rückwärts" gewarnt, nachdem die Chefs von Eon und Siemens massive Korrekturen von der Regierung verlangt hatten. Der Pionier der Solarindustrie, der exklusiv mit BMW kooperiert und neuerdings den solarbetriebenen Carport für den neuen BMW i3 anbietet, hat kürzlich sein Programm auf intelligente Systeme umgestellt, die auf dezentrale Eigenversorgung ausgerichtet sind. Der Stromverbraucher wird durch regenerative Solarnutzung unabhängiger von den Netzen,spart langfristig Geld und bringt die Energiewende voran.  Detlef Neuhaus sieht die Solarwirtschaft auf gutem Wege: "Wir haben die Herausforderungen angenommen".


Die Bevölkerung steht zur Energiewende

Von Detlev Neuhaus, CEO Solarwatt

"Zwei bedeutende Wirtschaftsführer haben die Energiewende massiv in Frage gestellt. Im Handelsblatt fordern sie "grundsätzliche Korrekturen", denn die Lage sei "sehr ernst". Dieses bemerkenswerte  Interview hat in der Politik ein vergleichsweise mildes Echo gefunden. Wer will es sich schon mit den ganz Großen der Branche verderben? Tatsächlich wird hier versucht, die eigene Fehlstrategie den erneuerbaren Energien anzulasten. Dagegen möchte ich entschiedenen Widerspruch anmelden!" Die erneuerbaren Energien müssten sich dem Markt stellen“ verlangt der Eine und  baut zugleich ein Drohszenario auf, wonach steigende Strompreise quasi vorprogrammiert seien. "Verlierer sind vor allem die kleinen Kunden, die immer mehr für Energie zahlen", ergänzt  der Andere. Und zwischen den Zeilen ist überall zu lesen: Wir brauchen die Rolle rückwärts. Konstruktive Vorschläge, wie die Energiewende geschafft werden kann, fehlen leider gänzlich. 

Jahrzehntelang haben die großen Stromversorger von quasi regional monopolistischen Strukturen gelebt und wenig  für den lange geforderten Ausbau und die Sicherheit der Netze getan. Jetzt klagen sie darüber, dass sie für eine seit mehr als 10 Jahren bekannte Hinwendung zu den Erneuerbaren Energien, nichts getan haben. Und sie kritisieren massiv die Förderung der erneuerbaren Energien und ganz besonders die Photovoltaik, als den Treiber für die höhere Belastung der privaten Verbraucher und Verantwortlichen für mögliche Netzüberlastungen.  

Astronomische Summen für Kohlesubventionierung, für das bis heute ungelöste Problem der Atommüllendlagerung und den Polizeischutz der Kastortransporte sowie  inzwischen über 2.400 von der EEG-Umlage befreite Unternehmen (u.a.  Fast-Food-Unternehmen) finden in den Ausführungen leider keine Berücksichtigung. Dabei befindet sich die Solarindustrie in einem dramatischen Umstrukturierungsprozess. Sie hat sich dem Markt gestellt und einen Preisverfall bei den Modulen von rund 70% verkraftet. Viele Unternehmen stellen sich um: Weg von der Massenproduktion hin zur Systemtechnik. Die Einspeisung von selbst erzeugtem Strom ins Netz zur Erzielung einer Rendite konnte nur ein Übergangsmodell sein. Das Thema heißt nun Dezentralisierung der Stromerzeugung und des Stromverbrauchs. Die Fortschritte hier sind gewaltig. Mit den neuen Technologien können heute Häuser bis zu 80 Prozent durch den eigen erzeugten Strom versorgt werden.  Das bedeutet für den privaten Kunden weniger Stromkosten und mehr Unabhängigkeit, für den Energieversorger Netzstabilität und Netzentlastung. Und die Entwicklungen stehen gerade beim Thema Energiemanagement erst am Anfang. Kooperationen und ein konstruktives Miteinander von Solarindustrie und Energieversorgern sind hier gefragt. Ideen dafür gibt es.
Erneuerbare Energien sind inzwischen ein klarer Standortvorteil für Deutschland, denn weltweit wird immer mehr in diese Energien investiert. Zwischen April und Juni wurden laut Bloomberg weltweit 53,1 Milliarden US-Dollar  in neue Windparks, Solaranlagen oder auch in Börsengänge von Betreiberfirmen investiert, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Und es sollte schließlich nicht vergessen werden, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter der Energiewende steht."

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