Dienstag, 30. Juli 2013

Alpha-Tiere in Konzernen

Vor langer Zeit gab es einmal die Deutschland AG. Sie hatte den Zweck, die Perlen der deutschen Industrie vor unerwünschter Einmischung aus dem Ausland zu schützen. Damals war das Wort Hedgefonds nur wenigen bekannt. In Deutschland gab es weder Private Equity noch die Einmischung von großen Fondsgesellschaften in die Unternehmenspolitik. Die Deutsche Telekom war noch eine Abteilung des Postministeriums. Aufsichtsräte waren vor allem schöne Posten. Wirkliche Kontrolle ging von ihnen nicht aus, jedoch dienten sie vor allem der Personalpolitik. Man traf sich in Baden-Baden in Oetkers Brennerschem Parkhotel, bei den Salzburger Festspielen und in Bayreuth zu den Wagner-Festspielen. Begehrt war auch ein Wochenende in Glyndebourne, dem Opernhaus auf der grünen Wiese, 50 Meilen südlich von London, wo die größten Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Claudio Abbado oder Kurt Masur den Ehefrauen etwas Abwechslung brachte, und in der Pause zwei Stunden Picknick auf der grünen Wiese mit Kaviar und Champagner angesagt waren. Die Medien waren meist außen vor, man war unter sich, und regelte, was zu regeln war.
Die Alpha-Tiere von damals waren ein Closed Shop. Am stärksten ausgeprägt im Ruhrgebiet, wo die sogenannten Stahlbarone das Feld beherrschten. Dienstvilla, Fahrer und Golfplatz waren die verbindenden Elemente.
Gerhard Cromme ist in der Deutschland AG aufgewachsen, musste aber gleichzeitig den Wandel einer Industriegesellschaft miterleben, in der Internetbuden mehr wert sind als gediegene Stahlkonzerne, in der das Mauscheln hinter verschlossenen Türen nicht mehr funktioniert. Unwürdige Abgänge wie die von Pierer, Löscher, Schulz und anderen waren in den achtziger Jahren kaum denkbar. Man erinnert sich aber auch nicht an derart große Desaster wie sie Thyssen in Brasilien, Bosch mit dem Solarengagement oder Siemens mit Korruption, Windparks, Zügen und Kernkraft vorgeführt haben.
Das Doppelinterview von Löscher und Theisen (mit der Forderung nach einer Umkehr der Energiewende)  im Handelsblatt hat uns vorgeführt, wie Topmanager denken. Nur, anders als früher, die Rolle rückwärts funktioniert nicht mehr. Der Einfluss der Wirtschaftsriesen auf die Politik ist stark geschrumpft. Auch wenn die Kanzlerin Reden vor dem Bundesverband der Deutschen Industrie hält: Dessen Einfluss auf politische Entwicklungen geht gegen Null.
Jedes Unternehmen braucht eine starke Führung. Je mehr Intrigen und Indiskretionen nach außen dringen, desto schlechter steht es um den ganzen Laden. Einen Konzern mit 430 000 Mitarbeitern zu steuern, funktioniert nur mit eine charismatischen Persönlichkeit, die motiviert, Interessen zusammenbindet, dem Management zuhört und klare Ziele umsetzt. Den Finanzvorstand Kaeser zum neuen Chef auszurufen, ist ein einfallsloser Fehler, der nur als Übergang taugt. Siemens braucht eine neue Unternehmenskultur. Und nicht nur Siemens. In vielen großen Unternehmen ist Umbruch angesagt. Führen muss neu gelernt werden.





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