Donnerstag, 6. Juni 2013

Wie Journalisten und Behörden das Internet verschlafen

Bertelsmann-Chef Thomas Raabe hat heute seinen Ghostwriter  im Handelsblatt schreiben lassen, dass die Regulierung der Medienwelt den digitalen Fortschritten weit hinterher hinkt. Damit hat er recht. Dass Nachrichten in N-tv keine Werbeunterbrechungen haben dürfen, während das in Youtube und anderen Internet-Kanälen problemlos möglich ist, kann nicht richtig sein. Dass öffentlich-rechtliche Anstalten mit dem Geld des Gebührenzahlers privaten Verlagen das Wasser abgraben, kann nicht richtig sein. Andererseits kann man ihnen auch nicht verwehren, ihre Inhalte auch im Internet anzubieten.
Das Thema geht aber noch viel weiter, und zwar nicht nur beim monotonen Wiederholungsthema Datenschutz (gähn!). Im Web 2.0 ist nicht das Internet sondern der un- oder schlechtgeschützte Privatcomputer das Problem. Die neuen Technologien eröffnen unglaubliche Möglichkeiten. Und zwar unter Ausschluss der Banken, Sparkassen und Volksbanken. Schon jetzt ist es möglich, sämtliche Finanzgeschäfte ohne Banken abzuwickeln. Paypal hat 150 Millionen Kunden. Keine einzige klassische Bank bietet bis heute einen solchen Bezahldienst (ich nehme die 2009 gegründete Münchner Fidor Bank aus, die wesentlich billiger als Paypal ist).
Die klassischen Banken und Sparkassen haben Paypal voll verschlafen!
Bitcoins: hier kann ich für einen Bruchteil der Bankgebühren international Geld überweisen.  Sensationell.
Mit dem Smartphone kann ich inzwischen so ziemlich alle Finanztransaktionen extrem einfach und billig durchführen. Die Firma Cashcloud beispielsweise bietet Jugendlichen, die derzeit ihr Taschengeld nicht im Internet ausgeben können, ein (voreinbezahltes) elektronisches Taschengeld an, das mit dem Smartphone bedient werden kann. 78 Prozent dieser Jugendlichen besitzen inzwischen ein Smartphone. Die meisten Wirtschaftsmedien beziehen ihre Informationen von Banken, und deshalb nehmen sie auch die Positionen der Banken ein, die das Web 2.0 nicht verstehen. Hier ist wirklich ein Umdenken erforderlich.
Auch die Behörden können noch nicht mit dem Web 2.0 umgehen. Sie haben einfach noch nicht verstanden, was da abläuft. Es empfiehlt sich ein Behördenseminar: "Warum der Verbraucherschutz sich in Zukunft selbst regelt."

Der Verbraucherschutz im Internet steckt noch in den Kinderschuhen. Gerade im Finanzbereich zeigt sich aber, beispielsweise bei der Community der Fidor Bank, dass der Informationsaustausch unter den Bankkunden der beste Verbraucherschutz ist: Nichts schützt mehr als Erfahrungsaustausch. Je größer die Community ist, desto besser.

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