Dienstag, 4. Juni 2013

"Nicht versicherbar" ? Ein Skandal

In einem kleinen Nebensatz erwähnte gestern abend ein Flut-Reporter, dass Passauer Gewerbetreibende ihre Geschäfte aufgeben, weil Ihnen nach der großen Flut 2002 mit der neuen Überschwemmungskatastrophe das Geld ausgeht. Wegen der permanenten Flutgefahr seien ihre Geschäfte "nicht versicherbar". Wie bitte?
Das verstehe ich nicht, denn wenn irgendwo weltweit ein Hurricane bläst, lesen wir doch immer wieder, dass deutsche Rückversicherungen davon mehr oder weniger betroffen sind, weil sie für Schäden aufkommen müssen. Hurricaneschäden in den USA scheinen also versicherbar zu sein. Weiß jemand mehr?
Ich halte die "Nichtversicherbarkeit" von Flutschäden - wenn dem so ist - für einen Skandal. Man sollte Versicherungen gesetzlich dazu zwingen, solche Geschäftsleute bezahlbar zu versichern. Von ihnen lebt eine Stadt wie Passau. Vielleicht wäre es auch einmal eine Geste, wenn Versicherungen einen gemeinsamen Fonds auflegen, aus dem Flutgeschädigten geholfen wird, wieder auf die Beine zu kommen.

Kommentare:

  1. Wo die Assekuranz fest mit Schadensleistungen rechnen muss, wird sie schmallippig. Die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt eines Schadens darf nicht zu hoch sein,sonst steigt demjenigen, der solche Verträge abschließt, das Controlling bzw. Risiko Management aufs Dach. Ich sehe Ähnlichkeiten zum Derivategeschäft der Banken (oder gar zu Spielautomaten?).

    Auch ein großer Teil der Hurricane-Schäden in den USA war meines wissens nicht versichert.

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    1. Lieber Herr Kuck, herzlichen Dank für diesen Hinweis. Vielleicht sollten sich Versicherungsjournalisten mal ausführlich und kritisch mit dieser Fragestellung beschäftigen!
      Viele Grüße
      RD Brunowsky

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  2. "Nicht versicherbar" war wahrscheinlich nur ein sprachlicher Lapsus des Reporters. Soweit ich weiß, können auch die Passauer (Geschäftsleute und Private) eine so genannte "Elementarschaden-Versicherung" (die auch die Wasser/Flutschäden abdeckt)abschließen, nur dürften die Versicherungsprämien prohibitiv hoch sein. In Florida ist in der Tat so, dass private Versicherungsunternehmen Häuser in "Risikogebieten" (Strandnähe, vorgelagerte Inseln usw.) nicht mehr versichern. Dafür springt die staatliche (Florida State) "Citizen-Versicherung" ein, die natürlich keine "kostendeckende" Versicherungsprämien verlangen kann. Er gibt nämlich auch in Strandnähe noch Häuser von ganz normalen Bürgern, die ihr Grundstück noch nicht an einen Wohlhabenden verkauft haben, der in der Regel dann ein Multi-million-dollar-home erstellt (falls es die örtlichen Baugesetze zulassen - und das tun sie meist). Eine gewisse Ungerechtigkeit liegt sicher darin, dass Menschen, die es sich eigentlich leisten könnten, relativ günstig an eine Elementarversicherung kommen. Die staatliche "Citizen-Versicherung" ihrerseits sichert sich bestimmt über einen (oder mehrere) bekannte Rückversicherer ab.
    Ein ähnliches Modell sollte auch in Deutschland machbar sein. Ich glaube nicht, dass wir die Versicherungen zwingen können, einer bestimmten Berufsgruppe/Schadenskategorie Sondervergünstigungen einzuräumen. Anders sieht es beispielsweise bei der Stadt Passau oder dem Land Bayern aus, was aber letztlich wieder darauf hinausläuft, dass der Steuerzahler für den Schaden aufkommt ...

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    1. Lieber Herr Hopf,
      vielen Dank für Ihren fachmännischen Kommentar, der vor allem mögliche Lösungen aufzeigt. Das Modell Florida scheint mir sehr interessant zu sein.
      Viele Grüße
      RD Brunowsky

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  3. Hallo,
    ich möchte Ihren Vorwurf des "Nichtversicherbar" einmal mit einem anderen Beispiel zeigen, dass es durchaus im Intresse aller Versicherten ist, wenn das so bleibt. Ich bitte eine etwas plakative Darstellung zu entschuldigen.
    Als in der Finanzkrise Verluste von Banken zu sozialisieren, während frühere Gewinne privatisiert wurden, war der mainstream dagegen. Nichts anderes ist es, wenn man ein Haus bewusst in ein Gebiet baut, was regelmäßig überschwemmt wird bzw. mit sehr hohen Schäden zu rechnen ist. Möchten Sie, Herr Brunowsky, das Bauen in Überschwemmungsgebiete subventionieren?

    Der Mangel an Flutungsgebieten ist doch mit ein Grund für den enormen Pegel.

    VG
    Adams

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    1. Hallo Herr Adams,
      Ihr Hinweis auf Neubauten in flutgefährdeten Gebieten ist bedenkenswert. Da sollten die Gemeinden restriktiver sein. Aber was ist mit den über viele Jahrhunderte gewachsenen zahlreichen Altstädten in Flusslagen? Wer besucht denn Passau, wenn dort kein Shopping an der Donau mehr möglich ist, weil die Geschäfte zumachen? Das ist doch auch ein Stück Kultur.
      Viele Grüße
      RD Brunowsky

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  4. Die Leute haben seit Jahrhunderten in den Flussauen gebaut - und müssen dies heute noch tun, weil die Bebauungspläne, wie hier am Ort, die sicheren Hanglagen zu Bauverbotszonen, z.B. Streuobstwiesen, Schutzräume für Halsbandschnäpper etc., deklariert haben.

    Aber egal - wir trauern hier in BaWü unserer früheren staatlichen Zwangsversicherungen gegen Brand- und Elemntarschäden nach. Alle waren versichert, gegen ALLES,ob in Talaue oder am sicheren Hang. Die EU hat diese segensreiche Einrichtung zerstört !!!

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