Sonntag, 23. Juni 2013

Krankenversicherungen, die nicht zahlen

Heute lese ich in Bild am Sonntag von einem Fall, in dem eine Krankenkasse sich weigert, eine 100.000  € teure Operation für einen kleinen Jungen zu zahlen, der an einer seltenen Krankheit leidet. Eine Unverschämtheit!
Mein im letzten Jahr verstorbener Vater, ein pensionierter Beamter, erhielt für 70 Tage  Krankenhausaufenthalt eine Rechnung von 70 000 Euro, die seineVersicherung anstandslos bezahlte.

Solche Nachrichten regen mich auf.  Ein kleiner Junge mit Beinprothese kann nicht operiert werden , weil ein Sesselpupser in einer Krankenkasse vom grünen Tisch aus so etwa entscheidet. Eine einfache Familie muss sich nun mit einem Apparat auseinandersetzen, um ein Kind gesund zu machen. Das kann doch nicht wahr sein.
Selbstverständlich ist der Sesselpupser daran nicht allein schuld. Es sind die Vorgaben eines Managements, dessen Chef einen Dienstwagen fährt und ein gutes Gehalt bezieht. Aber vielleicht wäre es auch machbar, dass sich solche - meist schlecht bezahlten - Sachbearbeiter mal etwas trauen und die Bezahlung solcher Fälle durchsetzen.
Mein Eindruck ist, dass die Versicherungen inzwischen von Juristen so stark infiltriert sind, dass für Menschliches kein Raum mehr ist. Wir müssen die Versicherungsaufsicht stärken und das Versicherungswesen völlig neu organisieren. Die meisten Journalisten in dieser Branche beschäftigen sich nur mit Versicherungsvergleichen. Da schneiden dann immer die Versicherungen ohne Außendienst am besten ab.
Aber kaum einer prüft, wie Schäden reguliert werden. Genau daran aber müssen sich Versicherungen messen lassen.
Eine Bekannte von mir wollte kürzlich gutartige Gewächse am Kopf entfernen lassen. Die Versicherung sperrte sich, das zu bezahlen, weil es sich um "Schönheitsoperationen" handele. Unglaublich. Diese Leute vergessen, dass sie von den Beitragszahlern leben. Aber die scheinen hilflos zu sein, weil ihnen die Journalisten nicht beistehen.

Die Versicherungen haben sich mit ihrer Lobby einen Freiraum geschaffen, der verbraucherfeindlich ist. Frau Aigner, es ist Zeit, einzugreifen.


1 Kommentar:

  1. Hallo Herr Brunowsky, Ihr Vater war als Beamter vermutlich privat versichert, der kleine Junge ist wohl Kassenpatient, oder? Das erklärt leider schon vieles...aber selbst der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Spahn, meinte schon vor längerer Zeit mal, dass sich dieses zweiteilige Gesundheitssystem überlebt hat. Gruß, GF

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