Dienstag, 18. Juni 2013

In voller Länge: Mein Beitrag für die Jubiläumsausgabe von "Werben & Verkaufen"


Im August 1979 unterschrieb ich meinen Arbeitsvertrag als Berliner Korrespondent der Wirtschaftswoche. Als ich am 1.Januar begann, hielt ich eine extrem dünne Ausgabe in der Hand.  Ein Redakteur des Magazins Capital drückte sein Beileid aus, dass ich in einem „untergehenden Blatt“ angefangen hätte. Das machte mich echt besorgt. In einem vierseitigen Schreiben an den damaligen Anzeigenleiter Harald Müsse listete ich Laie schlaumeierisch auf, wie man die Anzeigensituation verbessern könnte. Es kam ein beruhigendes Schreiben von Müsse zurück: „Ein Blatt mit 1500 Anzeigen“ schließt kein Verlag. Das ist wohl bis heute gültig.  Nun, es folgten zehn Jahre bei der Wirtschaftswoche. Und das erstaunliche ist: Im Ressort Wirtschaft und Politik, das ich zuletzt leitete, starteten außerordentlich erfolgreiche Karrieren: Chefredakteure wurden Bernd Ziesemer, Arno Balzer, Gabor Steingart, Stefan Baron, Ralf-Dieter Brunowsky und Roland Tichy,  der das Blatt heute erfolgreich führt. Baron ging dann zur Deutschen Bank als Kommunikationschef. Und Emilio Galli Zugaro wurde legendärer Kommunikator bei der Allianz.
Um die Kunden bei Laune zu halten, liessen sich die Anzeigenabteilungen immer etwas besonderes einfallen. Legendär war die Alpentour in den neunziger Jahren: Mit freundlicher Unterstützung von BMW fuhren wir mit BMW-Roadstern und Motorrädern von München aus eine herrliche Strecke  mit Zwischenstationen durch die Alpen. Zu den größten Rasern gehörte mein Freund Michael Bache, der in seinem gelben Renner allen davon fuhr. Michael Bache, damals Anzeigenleiter bei Gruner+Jahr war der witzigste, freundlichste und erfolgreichste Anzeigenverkäufer, den ich je erlebt habe. Er hatte in Frankfurt ein einzigartiges Netzwerk, und wenn ihm Anzeigen zur Sollerfüllung fehlten, rief er seine Freunde in den Agenturen an: „Ich brauch noch eine Seite“, die kam dann immer. Allerdings brauchte er solche Seiten immer wieder, weil ihm die Capital-Redaktion das Leben schwer machte. Der damalige Ehrgeiz, dem Manager Magazin mit Enthüllungen von internen Zahlen Konkurrenz zu machen, führte immer  wieder zu großem Ärger mit der Lufthansa, die mit Gruner+Jahr viele Geschäfte machte oder mit der Deutschen Telekom.  Mit Johannes Gross als Herausgeber hatte Capital jedoch viele Jahre eine Persönlichkeit im Rücken, die Gemüter in Hamburg schnell beruhigen konnte. Neben seinen vielen Publikationen machte Johannes Gross mit einer Bewirtungsrechnung von sich reden, die zum Vorstandsthema wurde. Als Grund für die Bewirtung stand da: „Selbstgespräch“. Gross dazu: „Mit wem wichtigeren könnte ich sprechen als mit mir selbst! “... Die Rechnung wurde bezahlt.
Gert Schulte-Hillen erzählte in den neunziger Jahren von einem Erlebnis am Baumwall: Eine Brigitte-Redakteurin schleppte zwei schwere Taschen zum Eingang. Schulte-Hillen bot seine Hilfe an und öffnete ihr die Tür. Dabei hörte er scheppernde Flaschen und fragte die Latzhosenträgerin, was sie denn da schweres trüge: Die Antwort verblüffte: „Wir kriegen doch immer die Getränke umsonst, da dachte ich...“. Schulte-Hillen wies seinen Assistenten an, sofort die Ausgabe kostenloser Getränke abzuschaffen. Das wiederum löste eine Welle der Empörung aus, als ob die Hälfte der Belegschaft entlassen werden sollte. Es blieb bei den kostenlosen Getränken (die man sich damals noch leisten konnte)






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