Sonntag, 12. Mai 2013

Steuererhöhungen und Umfragen

Es herrscht eine seltsame Schüchternheit in den deutschen Medien, was Steuern betrifft. Dabei sehen die Journalisten doch selbst auf ihren Gehaltsabrechnungen, was ihnen Staat und Sozialversicherungen jeden Monat abknöpfen. Nicht gerechnet die in jedem Einkauf enthaltenen Verbrauchssteuern inklusive Mehrwertsteuer. Oder KFZ-Steuern, Flugsteuern, Stromsteuern, kommunale Abgaben usw.
Das alles wäre vielleicht zu ertragen, wenn man das Gefühl hätte, dass der Staat mit dem eingenommenen Geld sparsam und verantwortungsbewusst umgehen würde. Leider ist dem nicht so. Überflüssige Behörden, Misswirtschaft (Elbharmonie, Berliner Flughafen, Nürburgring), Bankenrettung mit Steuergeldern, und gleichzeitig zu wenig Kitaplätze, schlecht ausgestattete Schulen und Universitäten.
Vor ein paar Tagen besuchte ich ein früher gut gefülltes Landgasthaus im Rheinhessischen. Ich war der einzige Gast. Der Besitzer steht kurz vor dem Aus. Das schlechte Wetter ist nicht der alleinige Grund für die leeren Tische, die er seit Monaten registriert. "Viele Leute sparen, weil sie immer weniger netto in der Kasse haben", so der Besitzer. "Ich hangele mich nur noch von Stundung zu Stundung, so sitzt mir das Finanzamt im Nacken". Ich höre von vielen Kleingewerbetreibenden, besonders auch im Einzelhandel, die mit dem Rücken an der Wand stehen und auf die Finanzämter schlecht zu sprechen sind. Höhere Steuern betreffen sie gleich doppelt: Persönlich aber auch durch weniger Kaufkraft ihrer Kunden.
Ralph Bollmann, früher Politik-Redakteur der linken "Tageszeitung" TAZ und jetzt bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung stellte kürzlich in der der FAS die richtige Frage, ob es stimmt, dass wir alle höhere Steuern zahlen wollen, wie Umfragen suggerieren.
Bollmann weist nach: "Die Leute denken, dass die höheren Steuern nur andere betreffen". Diesen fatalen Irrtum werden viele rot-grün-Wähler erst bemerken, wenn das Steuerprogramm der Grünen Realität werden sollte.
Das ist eine generelle Schwäche der Medien um Umgang mit Umfragen. Natürlich stimmt die Mehrheit der Frage zu, ob man die Steuern für höhere Einkommen erhöhen soll. Überdurchschnittliche Einkommen sind nun mal in der Minderheit. Die Hälfte der Bevölkerung besteht aus Nichtsteuerzahlern und Transferempfängern, werden aber in den Durchschnitt mit einbezogen.
Fragt man diese, ob man den "Reichen" was wegnehmen soll, na, welche Überraschung ist denn da zu erwarten?
Leider wird in Deutschland am liebsten über soziale Ungerechtigkeit doziert, weniger über die Funktion, die sogenannte Besserverdienende in einer Gesellschaft ausüben.

  • Wer spricht darüber, wie viel Arbeitsplätze die besserverdienenden Kleinunternehmer und Freiberufler schaffen und sichern? 
  • Wer spricht über die Ausbildungsplätze, die besserverdienende Handwerker schaffen und uns in Europa den niedrigsten Stand von Jugendarbeitslosigkeit verschaffen?
  • Wer spricht darüber, was besserverdienende Ingenieure  erfinden, um die Wirtschaft wettbewerbsfähig zu halten? 
  • Wer redet darüber, wie viel Sozialabgaben besserverdienende Mittelständler abführen und damit die Hälfte von Krankenversicherung und Rente finanzieren?  

Verantwortliche Mittelstandspolitik darf die Steuerbelastung nicht überdrehen. Sonst kann es mit unserem Land ganz schnell bergab gehen. Man kann dieses Feld auch nicht allein der FDP überlassen, dieses Thema geht alle Parteien an.

Kommentare:

  1. Guter Artikel Leider lesen ihn zu wenig!

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  2. Da Focus Online diese Kolumne heute übernommen hat,
    konnte eine großer Leserzahl erreicht werden.
    RD Brunowsky
    Hier der Link (kopieren und einsetzen):
    http://www.focus.de/finanzen/news/gastkolumnen/brunowsky/gastkolumne-ralf-dieter-brunowsky-steuererhoehungen-und-umfragen-ein-seltsames-gespann_aid_990459.html#comments

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  3. Ich wundere mich seit Wochen ,wie kann es angehen, das dieses Thema nicht in aller Deutlichkeit in den breiten Medien, für "ALLE" verständlich, aufgearbeitet wird!!
    Illner, Lanz usw, was ist los??
    Oder doch alle zurück zu Pferd und Wagen!?
    Danke für diesen Artikel

    The.Mu.

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  4. Ich, als Freiberufler, hätte nichts dagegen höhere Steuern zu zahlen. Viel Steuern zahlen ist doch ein Luxus-Problem. Übrigens sind bei uns die Gasthöfe gut gefüllt. Aber ausgerechnet einen Wirt zum Steuerexperten aufzurufen, da könnte man ebenso gut die FDP fragen.

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    1. Da Sie sich hier anonym zu Wort melden, glaube ich Ihnen nicht, dass Sie dieser Freiberufler sind. Sie wären der erste Freiberufler, der gerne mehr Steuern zahlen will.
      RD Brunowsky

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    2. Sie bekommen eine Mail von mir! Ansonsten bin ich weder der Erste, noch der Einzige. ;)

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