Sonntag, 26. Mai 2013

Abwesenheits-Emails: Öffnungszeiten werden privatisiert

Wenn der verdiente Urlaub kommt, hat so mancher das Gefühl, die Abwesenheit mitteilen zu müssen. Man will es als höfliche Geste verstanden wissen. "Vom 27.5. bis zum 31.5. bin ich im Urlaub. Mails werden in dieser Zeit nicht beantwortet". Oder  nicht gelesen. Oder gar nicht gelesen. Und manchmal: "In dringenden Fällen wenden Sie sich an....".
Da nun jedermann weiß, dass die Emails bei Smartphones jederzeit gelesen werden können - wer hat heute kein emailfähiges Smartphone? Und wer lässt seine Emails während des Urlaubs konsequent ungelesen?  - ist klar, was diese Botschaft bedeutet: "Ich mache Urlaub, nerven Sie mich nicht mit Emails. Beachten Sie gefälligst meine Öffnungszeiten." Und das findet mein vollstes Verständnis. Es handelt sich um eine Rettungsaktion zugunsten eines Privatlebens. Öffnungszeiten werden sozusagen privatisiert. So klingt dann die Abwesenheitsmitteilung fast wie ein Hilfeschrei, der tiefes Mitleid auslöst.
Wenn man weiß, dass beispielsweise Journalisten laut einer Studie im Durchschnitt  nur elf Minuten ohne Unterbrechung arbeiten können, darunter von vielen Emails gestört, dann gönne ich gerade diesem Berufsstand einen emailfreien Urlaub. Gerade mit Familie.
Der permanent rot blinkende Blackberry ist der größte Feind jeder Beziehung. Und zuhause lassen will man das Gerät nun auch wieder nicht. Dafür nerven dann die eigenen Kinder, weil sie in die schönsten Urlaubsziele nur mitfahren, wenn Wlan sicher gestellt ist und sie von morgens bis abends per Facebook oder via WhatsApp kommunizieren können. Seufz.






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