Dienstag, 23. April 2013

Steuern vermeiden in der Schweiz

Gestern in "Hart aber fair" : Hoeness und die Steuerhinterziehung, der Dauerbrenner.
Der einzige, der wirklich Interessantes zu sagen hatte, war Roger Köppel, der Schweizer Chefredakteur der renommierten "Weltwoche". Er sprach aus, was in Deutschland keiner sagen will: Mit dem Ankauf der Steuer-CDs - zuletzt kaufte der rheinland-pfälzische Finanzminister Kühl 40.000 gestohlene Daten - macht sich der deutsche Staat nicht nur zum Hehler, weil er Diebesgut kauft, sondern er missachtet auch Schweizer Recht. Die Verfolgung von Steuerhinterziehern, die ihr Geld in der Schweiz vor dem Fiskus verstecken wollten, ist nach internationalem Recht Angelegenheit der Schweizer Behörden. Darüber haben sich die deutschen Fahnder einfach hinweg gesetzt. Ein unglaublicher Vorgang.
Dann noch die Brüskierung der Schweizer nach Ausverhandlung eines Abkommens, das dem deutschen Fiskus mindestens zwei Milliarden sofort in die Kassen gespült hätte durch die Ablehnung von Rot-Grün im Bundesrat.
Und schließlich zeigt sich immer mehr: Die mutmaßlichen Steuerhinterzieher sind nicht die Reichen, sondern der gut situierte deutsche Mittelstand: Handwerker, Sportler, Schauspieler, Händler, Freiberufler, sogar ein Lehrer (der gestern ausdrücklich erwähnt wurde). Man sollte mal darüber nachdenken, warum so viele Mittelständler ihr Geld ins Ausland geschafft haben. Könnte es sein, dass es etwas mit der hohen Steuerbelastung zu tun hat?
Wie ich in einem früheren Blog geschrieben habe, gilt Steuervermeidung bei den Reichen längst nicht mehr als cool. Die Strategien großer Vermögensverwaltungen achten heutzutage peinlich genau darauf, die Steuergesetze einzuhalten. Die Vorstellung von Klein Erna im SPD-Bezirksverband, dass Deutschlands Reiche ihr Geld in die Schweiz schaffen, mag manchmal richtig sein, aber meistens eben nicht.
Das Schwarzgeld in der Schweiz stammt meist von dort, wo gefragt wird: "Mit oder ohne Mehrwertsteuer?" Auch Klein Erna hat diese Frage sicher schon gehört und vielleicht nicht verstanden, dass es sich um Steuerhinterziehung handelt. Selbst Ärzte und Rechtsanwälte lassen sich gelegentlich in bar auszahlen. Mit den Reichen lässt sich leichter Wahlkampf machen als mit Steuerverfolgung der etwas besser verdienenden Bürgerschichten.  Selbst Hoeness ist nun kein wirklich Reicher, sondern ein mittelständischer Wurstfabrikant.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen