Mittwoch, 10. April 2013

Spiegel Chefredaktion: Doppelspitzen sind ein Irrweg

Nun hat es wieder eine Doppelspitze getroffen. Mit Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron scheitern zwei profilierte Spitzenjournalisten  im  Streit um die richtige Strategie bei rückläufigen Umsätzen und Abozahlen.
Noch bevor der Spiegel die "Abberufung" bekannt gab (siehe hier), wusste die  geschwätzige Branche  von der spektakulären Nachricht.
Wie man hört ging es unter anderem um die Frage, ob das digitale Angebot in Zukunft von den Nutzern bezahlt werden soll oder nicht.  Von anderen Medien wie der New York Times weiß man inzwischen, dass es funktionieren kann.Aber die inhaltlichen Streitigkeiten sind letztlich nur Symptom.
Wieder einmal zeigt es sich, dass Doppelspitzen in Chefredaktionen ein Irrweg sind. Beispiele dafür gibt es genug. Erst vor kurzem wurden die Chefredakteure Osterkorn und Pätzold abgelöst. Ihr Duo hat zwar über zehn Jahre gehalten, aber für das Blatt war es schlecht, der Stern stürzte ab. Bei der Wirtschaftswoche sollte ich einmal gemeinsam mit Stefan Baron Chefredakteur sein, ich ging dann jedoch zu Capital, wo ich als alleiniger Chefredakteur die Führung übernehmen konnte. An meiner Stelle kam dann der heutige Mainzer Journalistik-Universitätsprofessor Volker Wolff, den Baron nach kurzer Zeit wegboxte.
Chefredakteure sind Alpha-Männchen, und die brauchen keine permanenten Diskussionen über den  richtigen Weg. Andererseits: Wenn sie sich nicht mehr streiten, folgt Zwangsharmonie und Langeweile. Bei den Gruner&Jahr Wirtschaftsmedien hat das nette Chefredaktionskollegium die FTD nicht retten können. Befreit spielt jetzt Nikolaus Förster mit einem MBO als alleinbestimmender Chefredakteur auf, der Impulse wieder eine Zukunft gibt.

Die FAZ mit ihrem Herausgebergremium scheint dagegen ganz gut zu funktionieren, weil mit der Autorenfreiheit genügend Spielplätze für Kommentare und eigene Beiträge vorhanden sind. Dass auch da mal ein Hugo Müller-Vogg rausgekegelt wird, ist eher die Ausnahme. Und dass man in so einem Umfeld die Zeit hat, Bestseller zu schreiben, wie Frank Schirrmacher gerade wieder mit "Ego" unter Beweis stellt, zeigt den schönen Freiraum, den man als Herausgeber genießen kann.
P.S. Schirrmachers Buch ist ein schwer verständliches, aber interessantes Plädoyer gegen den "Informationskapitalismus", der egoistisches Verhalten in Form von Algorithmen und Spieltheorie rechenbar macht und unser Verhalten über das Internet immer mehr steuert.
Soweit die kürzeste von mir je geschriebene Rezension.

1 Kommentar:

  1. Nun muss ich mich selbst kommentieren: Jetzt ist auch Julia Jäkel alleinige Chefin von Gruner+Jahr...quod erat demonstrandum...

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