Mittwoch, 6. Februar 2013

Neue Medienunternehmer hat das Land

Während die Großverlage Redaktionen abbauen, wächst die Zahl junger Medienunternehmen. So war es früher schon in der Industrie, als diese ihre Dienstleistungsbereiche immer stärker ausgegliedert hat und sich daraus viele mittelständische Unternehmen entwickeln konnten, die heute zum Teil selbst Riesen geworden sind. Unbelastet von Overheadkosten entwickeln sich kleinere Unternehmen oft besser als entsprechende Unternehmensteile.
Jüngstes Beispiel ist der Start von  "Impulse". Der Chefredakteur Dr. Nikolaus Förster hat es geschafft, einen Geldgeber zu finden und die Mehrheit an diesem Unternehmermagazin zu übernehmen. Glückwunsch! Er hat auf diese Weise Arbeitsplätze, die sonst verloren gegangen wären, erhalten - und sich selbst eine interessante unternehmerische Perspektive geschaffen. Frei von Konzernlasten, Deckungsbeiträgen und Einmischung kann Förster nun aus der immer noch starken Marke Impulse ein profitables Netzwerk für den Mittelstand entwickeln. Ich bin sicher, er wird damit Erfolg haben.
Ein anderer renommierter Kollege, der diesen Weg gegangen ist, ist Wolfram Weimer. Er war einige Jahre Börsenredakteur in Frankfurt, später FAZ-Korrespondent in Spanien, Welt-Chefredakteur und zuletzt ein Jahr Chefredakteur von Focus. Nach seinem Weggang gründete er die Weimer Mediagroup, kaufte einen Bauchladen von profitablen Börsenportalen wie "Börse am Sonntag" (dem einzigen elektronische Pflichtblatt für Börsen!)  mit einigen hunderttausend wertvollen Adressen, entwickelte neue Hybridformate von E-Magazinen und kaufte jetzt auch noch den 5o Jahre alten "Wirtschaftskurier", der 2012 den "European Newspaper Award" für sein schönes Layout erhalten hat.
Ein anderes Beispiel ist Dr. Frank B. Werner, der vor kurzem von Axel Springer, "Euro" und "Euro am Sonntag" gekauft hat, zwei Blätter, denen er seit Jahren als Chefredakteur vorstand. Jetzt hat Werner noch das wöchentlich zu druckende Magazin Börse Online von Gruner + Jahr hinzugekauft. Mutig, aber nicht aussichtslos. Dass man auch Konzernen die Stirn bieten kann, hat im übrigen die eiserne Gabriele Fischer gezeigt. Ihr 1999 gegründetes "Brandeins" hat sich auflagenmäßig an die großen Magazine herangerobbt, die meisten Preise für journalistische Glanzleistungen eingeheimst, und existiert immer noch - was allein schon eine Riesenleistung ist. Weitere Beispiele gibt es im Corporate Publishing-Bereich, wo Manfred Hasenbeck (früher Wirtschaftswoche) und Jens de Buhr (früher Capital) bedeutende Firmen gegründet und weiter entwickelt haben, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Auch ich habe mich nach zehn Jahren Chefredakteurstätigkeit bei Capital 2002 mit meiner BrunoMedia GmbH selbstständig gemacht  und es nie bereut. Eine wunderbare Sache, sein eigener Herr zu sein und ich finde es einfach Klasse, dass ein 1980 von Johannes Gross gegründetes Unternehmermagazin (dem ich übrigens auch zwei Jahre als stv.Chefredakteur diente) das Unternehmerdasein entdeckt hat. Ins kalte Wasser springt keiner gerne, der ein wohliges Konzernkuscheldasein gewohnt ist. Aber wenn ausgekuschelt ist, wird es plötzlich attraktiv, das Unternehmerdasein ohne goldenen Käfig, ohne Einmischung, ohne Konzernintrigen. Ich hoffe, wir sehen noch viele weitere Beispiele.





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