Donnerstag, 10. Januar 2013

Flughafen: Erinnerungen an Berlin

Ich habe die Berliner Politik über drei Jahre als Journalist begleitet: Von 1978 bis 1979 als Parlamentsberichterstatter für die Berliner Morgenpost und von 1980 bis 1981 als Berliner Korrespondent der Wirtschaftswoche. Zugegeben, das ist lange her. Aber wenn ich die heutigen Akteure sehe, kommt mir vieles bekannt vor. Der Bau des Kongresszentrums ICC das statt 400 über 700 Millionen D-Mark kostete. Die Berlinförderung, bei der westdeutsche Schweinehälften einmal rund um die Gedächtniskirche gefahren wurden, um Subventionen zu kassieren.Der Steglitzer Kreisel, ein Abschreibungsskandal, bei dem viele Anleger Geld verloren. Der von mir enthüllte Garski-Skandal, bei dem ein mit drei Steuerstrafverfahren belasteter Bauunternehmer vom dafür zuständigen Finanzsenator eine 90-Millionen-Bürgschaft für Bauprojekte in Jordanien kassierte. Erst trat der Finanzsenator Riebschläger, dann der Wirtschaftssenator Lüder und schließlich der Regierende Bürgermeister Stobbe zurück. Ich dichtete die ganze Geschichte frei nach Friedrich Schillers Bürgschaft um: Stobbe im Schlussvers: "Ich sei bei einem Rücktritte in Eurem Bunde der Dritte."
Anschließend wurde Weizsäcker Berlins neuer Regierungschef. 

Rund um die staatseigene Deutschlandhalle mit ihren berühmten Sechs-Tage-Rennen enthüllte ich eine andere Geschichte: Künstler wurden mit Schwarzgeld bezahlt, das über ein Lufthansabüro in Brasilien beschafft wurde. 
Der Chef der damaligen Messegesellschaft AMK war ein Alkoholiker und oft betrunken. Auf dem Weg zur Niederwildjagd geriet er in eine Massenkarambolage und wollte nicht, dass ich das schreibe.

Der Vorbau der Kongresshalle stürzte während einer Pressekonferenz ein, zu der ich zu spät kam  und ein Journalist kam dabei ums Leben. 
Als ich später als Korrespondent nach Bonn wechselte, kam mir das alles als Berliner Nabelschau vor. Wen interessierte das in Westdeutschland? Die Zeiten des Ernst Reuter und des Kennedy Besuches bei Willy Brandt waren längst vorbei und aus der legendären Stadt Berlin mit ihrem unbeugsamen Widerstand gegen den Kommunismus war eine unbedeutende Provinz geworden, in der  Geschäftemacherei wichtiger als politische Botschaften wurden. Nach Willy Brandt schaffte es keiner der Nachfolger noch einmal, Berlin als Botschafter der Freiheit in der Welt vernehmbar zu machen. "Normalität" war das Ziel. Filz und Kungelei waren das Ergebnis.
Und heute? 
Eine Stadt die seit der Wiedervereinigung über 45 Milliarden Euro an Zuschüssen aus dem Länderfinanzausgleich erhalten hat. Ein Regierender Bürgermeister mit viel Zeit als Partylöwe und Talkshow-Gast, der in elf Jahren Regierungszeit nie viel zu sagen hatte, der die Stadt kaum regiert  und ohne jedes internationales Renommee im Nichts versinkt. Und der als Aufsichtsratsvorsitzender des Berliner Flughafens völlig versagte. Dass die staatlichen Eigentümer glaubten, auf einen Generalunternehmer verzichten und die Aufträge selbst ausschreiben zu können, ist der Hauptgrund für  das grauenhafte Desaster. Es ist eine arrogante Selbstüberschätzung, die da zu spüren ist. Warum muss ein Bürgermeister Buschkowski schreiben, wie es in Berlin wirklich zugeht? Ehrlich gesagt: 
Der Berliner Senat besteht seit Willy Brandt nur noch aus lauter Pfeifen, die mit der Politik mehr verdienen können als jemals in der Wirtschaft. Weizsäcker ist da wohl die einzige Ausnahme.
Der Flughafen ist so, wie die Berliner Politik: Zu teuer und sehr dilettantisch. Wen wundert´s?

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