Mittwoch, 16. Januar 2013

Wenn Wirtschaftsjournalisten entlassen werden

Es ist ruhig geworden um die entlassenen Redakteure der Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien. 350 hochqualifizierte Menschen müssen sich einen neuen Job suchen. FTD geschlossen, Börse Online verkauft, MBO bei Impulse. Und wie sieht es mit den Menschen aus?
In den letzten Wochen hatte ich Kontakt zu diversen Kolleginnen und Kollegen, die sich etwas Neues suchen müssen. Beeindruckt hat mich der Stolz, den ich als Feedback bekam. Bei niemandem spürte ich Angst. Zumindest nach außen hin strahlen alle Zuversicht aus. Das Selbstbewusstsein ist groß und es zeigt die Qualität der entlassenen Redaktion. Doch der Markt ist schwierig, nur die Besten werden einen neuen Job in den Medien finden.
Dr. Nikolaus Förster hat es als einziger geschafft, durch ein Management Buy Out, also durch Übernahme des Magazins Impulse, als Chefredakteur zu überleben. Kompliment!
Stefanie Burgmaier, Chefredakteurin von Börse Online, wurde vom neuen Eigentümer, Frank Werners Finanzen-Verlag, nicht übernommen. Die Chefredaktion von CAPITAL wurde ebenfalls ausgetauscht. Steffen Klusmann ist mit bitterem Nachgeschmack abgetaucht. Nachfolger wird Horst von Buttlar, bisher Agenda-Chef der FTD und Träger renommierter Journalistenpreise. Eine gute Wahl, finde ich. Verlagschefin Ingrid Haas steigt ebenfalls aus - Ziel ungewiss. 10 bis 15  Redakteure werden vom Handelsblatt übernommen, aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Die Entlassungswelle in vielen Verlagen, jüngst die Westfälische Rundschau, jetzt Focus Schule, ist dramatisch. Kein guter Start ins neue Jahr für manche. Aber warten wir mal ab. Gute Wirtschaftsjournalisten sind wertvoll. Ich hoffe, dass alle einen neuen Job finden.


1 Kommentar:

  1. Warum werden Journalisten entlassen? Weil kein Geld mehr mit Print zu verdienen ist. Ich erinnere mich an das Jahr 2000 als G+J mit dem Business Channel einen neuen Online Brand ins Rennen werfen wollte. Dieses Projekt wurde dann wieder fallen gelassen, da ein gewisser Herr Sugarmann der Ansicht war, dass die Marken (die es heute nicht mehr gibt) zu stärken sind.

    Ganz offensichtlich eine falsche Entscheidung. Über 10 Jahre danach machen andere Unternehmen wie Check24, Toptarif, etc. mit Finanz-Vergleich-Tools Millionen im Internet. Genau die Rechner Tools, die G+J auf dem Business Channel schon 10 Jahre vorher hatte und dann selbst abgeschaltet hat.

    Ich kann ich noch daran erinnern, wie ein gewisser Herr Middelhoff gefeuert wurde, weil er bei Bertelsmann einen strammen Multimedia Kurs eingeschlagen hatte. Dafür hat Middelhoff 2002 eins auf das Dach bekommen und heute würde man sich bei den Verlagen sicherlich wünschen, dass man den damals eingeschlagen Weg fortgesetzt hätte. Aber es ist natürlich auch immer schwer los zu lassen. Wer gibt schon gerne ein Business auf, was er über 30 Jahre erfolgreich betrieben hat?

    In den USA werden Online (Premium) Inhalte inzwischen nur noch gegen Bezahlung angeboten und es funktioniert. In Deutschland sind wir davon noch weit entfernt. Die Verlage stehen in Konkurrenz und können sich nicht einigen. Aber für die eigene Unfähigkeit wird dann ein anderer (Google) verantwortlich gemacht. Der erste Schritt zur Besserung ist immer die Einsicht. Und hier müssen sich die Verlage einfach eingestehen, dass sie in den letzten 10 Jahren eine ganze Menge falsch gemacht haben. Anstatt weiter zu jammern, sollte man nach vorne schauen. Aber vor allem sollte man sich vielleicht einfach mal klar machen, dass die Medienwelt eine andere ist. Eine Welt in der man mit journalistischen Inhalten einfach nicht mehr das Geld verdienen kann, so wie früher. Das ist zwar bitter, aber eine Tatsache! Wer weiterhin die Augen zumachen will, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

    Den betroffenen Journalisten drücke ich ganz fest die Daumen, dass sie bald wieder etwas Neues gefunden haben. Meine Mutter ist auch (freie) Journalistin und arbeitet enorm viel. Wenn ein Moderator das 100 fache bekommt, dann kann man sich fragen ob das fair ist. Aber fair ist in einer kapitalistischen Welt immer das was (auch) Kohle bringt und dazu zählen im Jahr 2013 eben keine Zeitschriften mehr. Ich habe diese Erfahrung auch schon machen müssen, da ich als Rechtsanwalt nicht in der Lage war meine Brötchen zu verdienen. Aber immer da wo eine Türe zu geht, da öffnet sich auch eine Neue. In dem Sinne ... alles Gute

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