Sonntag, 30. Dezember 2012

Falsche Prognosen

Wir erleben in diesen Tagen eine Diskussion über die mangelnde Treffsicherheit von ökonomischen Prognosen. Hierbei handelt es sich nicht nur um ein akademisch-theoretisches Thema. Tatsächlich sind Fehlprognosen gefährlich. Man kann als Anleger viel Geld verlieren, wenn man darauf setzt. Vermögensverwalter Thomas Grüner hat nachgewiesen, dass die Mehrheitsmeinungen der Analysten über den künftigen Verlauf des Dax in den letzten Jahren immer falsch waren. Die Welt am Sonntag titelte kürzlich dazu: "das konnte keiner wissen" Grüner hatte zum Jahresbeginn 2012 gerade deshalb auf zweistellige Zuwachsraten im DAX gesetzt und damit recht behalten.
Für große Unternehmen mit üblicherweise langfristigen Planungen können falsche Prognosen zu erheblichen Fehlinvestitionen führen. Jeder Unternehmensplanung liegt eine Prognose zugrunde.
Der Chairman von Roland Berger Strategy Consultants hat jetzt in einem gemeinsamen Buch mit dem Wirtschaftsjournalisten Mario Müller-Dofel darauf hingewiesen, dass nur "Gute Führung" die zunehmend schwierigere Planbarkeit erratischer Märkte und Politiken ausgleichen könne (Siehe hier: "Gute Führung" bei Amazon). Flexible Führung muss die positive Konstante in einer Welt falscher Prognosen sein.
Interessant ist jedoch auch, wie stark Journalisten den meist falschen Mehrheitsmeinungen folgen, ja sie zum Teil verstärken. Thomas Grüner hat in seinem Buch "Die acht größten Fallen für Geldanleger"  beschrieben, warum Mehrheitsmeinung zumindest auf den Finanzmärkten nicht zu den richtigen Ergebnissen kommen können: Wenn z.B. alle Ölspekulanten in einem Raum versammelt sind und alle glauben, dass der Ölpreis steigt, dann haben sich alle längst mit Ölwerten eingedeckt. Nun fehlen jedoch die Käufer, weil sich alle eingedeckt haben, und wenn die Nachfrage fehlt, fallen die Preise. Es passiert also das Gegenteil von dem, was alle erwartet haben. Bemerkt der erste, dass die Käufer fehlen, verkauft er seine Papiere, die andern folgen und der Preis sinkt.
Das eigentlich Interessante an Prognosen ist also die Frage, was gegen die Prognosen spricht und wer den Prognosen glaubt. Wer das richtig einschätzt, kann viel Geld verdienen.



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