Freitag, 2. November 2012

Steinbrück ist nicht zu halten.

PR-technisch hat Steinbrück in Sachen Vorträgen richtig gehandelt, als er alle Vorträge auf den Tisch gelegt hat. Im Handelsblatt las ich Erleichterung darüber, dass diesmal keine Neiddebatte in Gang gesetzt wurde. Naja. Darum geht es auch gar nicht, und deshalb ist die Angelegenheit noch nicht ausgestanden. Ich sage voraus, dass Steinbrück als Kanzlerkandidat nicht zu halten ist. Er wird irgendwann die Brocken hinschmeißen und dann heißt der Kanzlerkandidat Sigmar Gabriel.
Transparenz bringt es eben mit sich, dass neue Fragen gestellt werden, zum Beispiel nach dem höchsten Honorar in dieser Liste, das er von den Stadtwerken Bochum hielt - 25.000 Euro - und angeblich spenden sollte, was er bestreitet. Das Geld hätten die Stadtwerke einer hochverschuldeten Kommune eigentlich auch direkt spenden können.  Warum haben sie es nicht getan? Vermutlich, weil sie es Steinbrück überlassen wollten. Und der hat es dann nicht gespendet. Vielleicht hat er sich dafür entschieden, eine neue Küche zu kaufen? Sein Vortrag auf dem "Forum Küchenkompetenz" könnte inspirierend gewesen sein.
Steinbrück wurde bei Journalisten laut Wikipedia "überwiegend positiv gesehen". Warum eigentlich? Der ehemalige Mitarbeiter von Helmut Schmidt, der mit ähnlich schneidender Stimme vortragen kann, war später Büroleiter des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau, dann Finanzstaatssekretär von Björn Engholm und später Bundesfinanzminister. Er war es, der im September 2008 als Bundesfinanzminister über 100 Milliarden Euro Staatsgeld in die Schieflage der Hypo Real Estate HRE pumpte. Im Januar 2008 hatte ihn Bafin-Chef  Sanio bereits vor der Schieflage gewarnt und später die Ansicht vertreten, dass zu diesem Zeitpunkt das Desaster noch hätte vermieden werden können.
Zusätzlich zu seinen Pensionsansprüchen und seinem Abgeordnetengehalt hat der Sozi Peer Steinbrück seit 2010 für 1,25 Mio.Euro Vortragshonorare einkassiert. Nicht schlecht. Den Banken hat er für durchschnittlich 15.000 Euro ordentlich die Leviten gelesen, sagt er. Bravo! Wahrscheinlich hat er das bei jedem Vortrag gemacht. Unter den Auftraggebern sind übrigens auch die Spielautomatenhersteller, die neue kommunale Steuern fürchten. Denen hat er bestimmt auch die Leviten gelesen.
Man darf davon ausgehen, dass es sich nicht jedes Mal um einen ganz neuen Vortrag gehandelt hat. Zwei drei Varianten. jeweils ein bisschen aktualisiert und dann vorgetragen. Steinbrücks benutzt bei seinen Vorträgen übrigens  gerne den mahnenden Finger. Doch die Geldgier, die er bei Bankern gerne anprangert, stellt sich plötzlich als seine eigene, wesentliche Eigenschaft heraus. Um Neid geht es dabei nicht, sondern um Glaubwürdigkeit.


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