Freitag, 23. November 2012

FTD: ein rosaroter Abschied

So viele Journalisten wie im Fall der FTD wurden noch nie auf einen Schlag entlassen. Der letzte große Fall waren die Entlassungen bei Capital und Impulse und einige Jahr zuvor die Schließung der deutschen Ausgabe von Forbes durch Burda.
Nun gut, die FTD musste selbst immer wieder über Entlassungswellen in der Industrie, zuletzt bei den Banken berichten. Und dennoch liegt hier ein besonderer Fall vor: Denn die Entlassungen erfolgen erstens in einer Zeit, in der es für Medienleute nicht leicht ist, einen neuen Job zu finden. Zweitens wird hier in beispielloser Form eine Massenentlassung Hochqualifizierter exerziert. Sie alle werden die gleiche Phase durchleben:
Trotz, Depression, Neuanfang, wenn es gut geht.
Die Abfindungen sind ein schwacher Trost, das Geld ist schnell ausgegeben.. In wenigen Monaten wird man über die verstorbene FTD nicht mehr sprechen. Über Tote geht die Zeit rasend schnell hinweg. Die Entlassenen werden sich an rosarote Zeiten gerne  erinnern und die Arbeit bei der FTD als eine besondere empfinden.
Mancher wird Platz in anderen Redaktionen finden, aber üppig sind die freien Stellen nicht. Einige werden den Mut zur Selbstständigkeit haben. Und nicht wenige werden in Unternehmen unterkommen und dort ihr Wissen einbringen. Capital mit 20 Mann in Berlin? Ich bin gespannt.Und Pätzold als Chefredakteur? Keine gute Idee.
Der gigantische Zuspruch, den die FTD jetzt selbst publiziert, steht in seltsamem Widerspruch zur Schließung des Blattes. So viele Fans - und doch nicht genug Auflage?  Ich beobachte das mit gemischten Gefühlen. Es gibt jedenfalls viele, denen der Zuspitzungsjournalismus der FTD keineswegs gefiel, siehe z.B. die Foren bei Spiegel Online.
Das ändert jedoch nichts an der Betroffenheit, die alle Wirtschaftsjournalisten in diesen Tagen erleben. Niemand möchte in  der Haut dieser Kolleginnen und Kollegen stecken. Ich wünsche allen ganz viel Glück für einen Neuanfang, wo immer das ist.
Im übrigen: Frau Jäkel hat meinen Respekt für diese mutige, aber unumgängliche Entscheidung.


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