Montag, 29. Oktober 2012

Steingart und Jakobs beim Handelsblatt

Das ist eine faustdicke positive  Überraschung: Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatts wird Chef der Verlagsgruppe Handelsblatt, meldet der Kress Report. Und  Hans-Jürgen Jakobs, Leiter des Wirtschaftsressorts  der Süddeutschen Zeitung, wird sein Nachfolger als Chefredakteur. Endlich mal wieder ein Verlag, der den Mut hat, einen Journalisten an die Verlagsspitze zu holen.
Ich kenne beide Journalisten seit vielen Jahren.
Steingart war Mitte der achtziger Jahre als Volontär von der Holtzbrinck-Journalistenschule in das Ressort Wirtschaft und Politik gekommen, als ich dieses Ressort leitete. Auch Jakobs ist ein alter Holtzbrinck-Fahrensmann, ich erinnere mich an seine Zeit bei einem - später eingestellten - Medienmagazin von Holtzbrinck, das Klaus Hattemer entworfen hatte.
Mit diesen beiden Journalisten hat sich der Verleger Dieter von Holtzbrinck stark aufgestellt. Seit 1. Juni 2009 gehören ihm (über die DvH Medien GmbH) wichtige Teile der bis dahin  von seinem Bruder Stefan von Holtzbrinck kontrollierten Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck: Alle Anteile an der Verlagsgruppe Handelsblatt, die Tagesspiegel-Gruppe sowie 50 Prozent am Verlag der Wochenzeitung Die Zeit, dessen operative Führung die DvH Medien übernommen hat. Während Stefan mutig, aber bislang wenig glücklich viel Geld in Internet-Portale investierte - der Absturz des teuer eingekauften Portals Studi-VZ ist ein einziges Drama - hat sich Dieter die Perlen des Hauses im Zeitungsbereich einverleibt und verlegerische Qualitäten bewiesen(die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ist besonders stark im Buchbereich und international gut aufgestellt).

Zwei starke Persönlichkeiten steuern nun die Geschicke des Handelsblatts: Steingart ist rhetorisch begabt, kreativ, aufgeschlossen für Neues, undogmatisch und schnell. Er wäre der richtige Mann, um Gruner + Jahr die FTD abzukaufen, und sie als eigenständige Redaktion bei gemeinsamer Vermarktung mit dem Handelsblatt fortzuführen.
Jakobs ist bissig und investigativ.  Ein erfahrener Wirtschaftsjournalist mit besten Kontakten in die Unternehmen. Der Aufstieg Steingarts wird manchen im Handelsblatt aufatmen lassen, denn Steingart hatte seine Ecken und Kanten. Aber Jakobs ist vom gleichen Schlag. Ihn interessieren nicht die persönlichen Befindlichkeiten, er ist genauso ehrgeizig und heiß auf gute Geschichten. Man kann nur hoffen, dass sich das nicht wie früher nur in zugespitzten Überschriften niederschlägt, sondern in Substanz, wie die Handelsblatt-Werbung bekanntlich verspricht.

1 Kommentar:

  1. Kollege Jakobs ist nicht nur für zugespitzte Überschriften gut, sondern auch fürs Stricken mit manchmal etwas zu heißer Nadel. Wenn es eilt, rutscht ihm schon mal ein "Raab Kärcher" raus, wenn es ums Kärchern geht.
    Dass er ein allzu strenger HB-Chef sein wird, glaube ich als SZ-Leser eher nicht, obwohl ich es mir als HB-online-Leser wünschen würde. In München dürfen seine Nachwuchstalente jedenfalls so manches schreiben, das nach zwei zugedrückten Augen aussieht. Eloquenz rangiert da gelegentlich vor Substanz – etwa bei der jungen Kollegin, die beim Thema PC hartnäckig Marktsättigung mit Desinteresse der Kunden am Produkt verwechselt und so tut, als gehe der moderne Mensch NUR noch mit iPad und Smartphone online.

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