Mittwoch, 24. Oktober 2012

Romney und die deutschen Medien

Es wird viel über die Endphase des Wahlkampfes in den USA berichtet. Die deutschen  Medien hatten sich seit Monaten auf Obama als Sieger festgelegt.
Jetzt wundern sie sich, dass Mitt Romney mit Barrack Obama gleichauf liegt, und durchaus Chancen hat zu gewinnen. Nach der ersten Fernsehdebatte wachten plötzlich alle auf und wunderten sich.
Der Mechanismus ist recht einfach: Deutsche Chefredakteure lesen (wenn überhaupt amerikanische Medien)  New York Times und sehen CNN. Das sind die "liberalen" Medien der Ostküste. Genauso die Korrespondenten. Von ihnen gab es seit Monaten kaum kritische Berichte über Obama, dafür umso mehr Häme gegen Romney.
Liberal ist in den USA anders als hierzulande definiert. Gemeint sind im Zwei-Parteien-System der USA die Demokraten und die mit ihnen verbundenen Medien, die von den Republikanern pauschal als Linke bezeichnet werden. Neokonservative verbinden mit den Liberalen vor allem  staatliche Bevormundung und Geldverschwendung.
Diese konservative Grundeinstellung ist in den USA vor allem im mittleren Westen stark. In vielen  Bundesstaaten, die bei den letzten Wahlen auf Obamas Seite standen, sieht man aber auch, wie wenig Obama von seinen Versprechungen eingehalten hat. Das "Yes we can" war aufrüttelnd, aber fast alle Reformansätze blieben stecken. Und die USA kämpfen immer noch in Afghanistan.
Ob Romney ein guter Präsident wäre, wissen wir alle nicht. Uns Deutschen sind seine Positionen fremd: Ein Multimillionär, Finanzinvestor (Heuschrecke!), ein Mormone und Abtreibungsgegner, ein Befürworter der Todesstrafe und Gegner gleichgeschlechtlicher Ehen als Präsident? Das kann und will sich hier niemand vorstellen. In den USA gruselt so etwas nur die Liberalen, nicht die Mehrheit der Amerikaner.
Die eigentlichen Probleme liegen jedoch im Staatshaushalt, der hohen Arbeitslosigkeit und der Wirtschaft. Und hier trauen viele Amerikaner Romney mehr zu als Obama und seinen Demokraten.
Von 307 Millionen Amerikanern waren bei den letzten Wahlen 2008 etwa 230 Millionen wahlberechtigt (alle über 18jährigen) und davon gingen 130 Millionen zur Wahl (56,8%). Es wird erwartet, dass jüngere Wähler diesmal politikverdrossener sind und weniger wählen. Romney ist also möglich. Und wir sollten uns darauf einstellen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen