Sonntag, 28. Oktober 2012

Öffentlich Rechtliche und die Parteien

Warum gab es eigentlich so große Aufregung, bloss weil ein Pressesprecher der CSU (erfolglos) beim ZDF anruft, um einen Bericht über die bayerische SPD zu verhindern?  Und dann hat sich auch noch jemand beim bayerischen Fernsehen beschwert, unerhört so was.
Wenn Journalisten jedes mal so einen Aufstand machen würden, wenn sich jemand beschwert, kämen sie gar nicht mehr zu ihrer Arbeit. Jede gute Redaktion kennt solche Einflussnahmeversuche, auch aus der Wirtschaft. Wer die Medien kennt, weiß, dass es ziemlich sinnlos ist, sich zu beschweren, es sei denn man hat handfeste juristische Argumente gegen falsche Berichterstattung.
In meiner Zeit bei Capital beschwerte sich nach fast jeder Ausgabe ein Vorstand, wenn unser Unternehmensressort mal wieder was rausgefunden hatte, was ein Konzern nicht öffentlich machen wollte. Der damalige Mercedes Vorstand Werner wollte sogar ein ganzes Heft vor der Auslieferung einstellen lassen, was Schrempp persönlich verhinderte.
Die Empörung letzte Woche hatte etwas heuchlerisches. Am peinlichsten das Interview, das Claus Kleber dazu mit dem ZDF-Chefredakteur Frey führen musste. Die Körper sprachen Bände. Kleber fühlte sich sichtlich unwohl, und Frey gab eine komische Figur ab. So ist es eben wenn "Betroffene" sich selbst interviewen. Die armen Betroffenen. Sowas von betroffen.
Die öffentlich rechtlichen Sender sind politisch beeinflusst, das ist doch nichts Neues. Als ich mich in den achtziger Jahren einmal beim WDR beworben hatte, wurde ich nach meiner Parteimitgliedschaft gefragt. Als ich wahrheitsgemäß die CDU angab, gab man mir tatsächlich klar zu verstehen, dass die Position aus Proporzgründen nur an ein SPD-Mitglied vergeben werden könne.
Im Bayerischen Fernsehen redet die CSU mit, auch wenn Siegmund Gottlieb das öffentlich von sich weist. Der Posten des Chefredakteurs wird seit Jahrzehnten nicht ohne Zustimmung der CSU besetzt.
Die Parteien sitzen in den Aufsichtsgremien der öffentlich rechtlichen Sender und sie machen - etwa bei der Besetzung des Spitzenpersonals  - von ihren Einflussmöglichkeiten auch ehr oder weniger dezent Gebrauch. Müssen wir das beklagen? Einen guten Journalisten beeindruckt das nicht. Er macht seine Arbeit. Und in den Öffentlich Rechtlichen hat er noch nicht mal ein Risiko, denn er ist praktisch unkündbar und bekommt eine fette Pension. Und übrigens gibt es auch noch viele private Sender, die keine Gebühren kassieren.




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