Samstag, 6. Oktober 2012

Die bittere Wahrheit...

Das Magazin Focus beschäftigt sich in seiner in seiner neuen Titelgeschichte mit dem wichtigen Thema Pflegebedürftigkeit im Alter. Da es sich um ein Magazin mit Hang zum Optimismus handelt, sind auf der Titelseite verkaufsfördernd drei fröhliche Generationen zu sehen (Focus hat das Originalbild entfernt und diesen Link reingesetzt:
FOCUS-Titel: FOCUS-Titel
Das Bild vermittelt - anders als der Inhalt - leider eine in der Werbebranche weit verbreitete Oberflächlichkeit*: Wie schön ist es doch alt zu werden!
Die Wahrheit spricht Joachim Fuchsbergers in seinem Buch aus: "Alt werden ist nichts für Feiglinge".
Zufriedene Siebzigjährige in den Armen ihrer Kinder und Enkelkinder? Schön, wenn es so ist. Aber die Singularisierung unserer Gesellschaft macht das Bild zur Ausnahme.
Die bittere Wahrheit ist: Immer mehr Menschen sind am Ende ihres Lebens ganz allein. In ein paar Jahren werden über 10 Mio älter als 80 sein, davon über 3 Millionen dement.  Wir diskutieren über die private Pflege und diverse Zuschußmodelle. Doch wer kann demente Menschen wirklich privat pflegen?
Unsere Gesellschaft steuert  auf einen großen Eisberg zu, von dem wir nur die kleine Spitze sehen. Ja, ganz früher war es so, dass die demente Uroma im Wohnzimmer am Ofen ihr Plätzchen hatte, versorgt und gepflegt wurde bis sie irgendwann friedlich verstarb. Heute werden diese Menschen im Pflegeheim in gesonderten Häusern zusammen gefasst.
Sie sitzen tagsüber, ohne es noch wahrzunehmen, mit anderen zum Teil völlig stumpfsinnigen Dementen zusammen. Der Mittagstisch erinnert mehr an ein Irrenhaus als an gemütliches Altersheim. Daran muss man sich als Besucher gewöhnen. Glückliche Gesichter sehen anders aus. In guten Heimen werden die Dementen beschäftigt und mit allem versorgt, besser als man es privat könnte. Die Umgebung ist schön, die Pfleger sind freundlich. Und dennoch. Wer einmal im noch so schönen Pflegeheim landet, ist weggestellt. Und es gibt wohl keine Alternativen. Ich würde mir wünschen, mehr ehrliche Bilder zu sehen, auch wenn sie sicher nicht verkaufsfördernd sind.

*Zum Glück ist der Inhalt der Focus-Geschichte weitaus näher an der Wirklichkeit. Die Focus-Redakteure Barbara Esser und Herbert Weber sind einfühlsam und rechercheintensiv auf das Thema eingegangen. Sie liefern ein substanzielles,  umfangreiches Nutzwertpaket. Und dazu  Beispiele, wie die Generationen auch heute noch zusammen halten können.

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