Montag, 1. Oktober 2012

Ackermann: Gute Figur gemacht

Gestern ist es Günther Jauch gelungen, zwei Leute in seine Talkshow zu bringen, die aus zwei verschiedenen Welten kommen: Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank und Daniel Cohn-Bendit, den in die Jahre gekommenen "Revoluzzer", wie er vorgestellt wurde, dessen Sohn Investmentbanker werden will (!).
Glückwunsch zu diesem Coup!
Das Interesse an der Sendung war groß, alle Medien berichten darüber und viele Kommentare in den Online-Ausgaben belegen das Informationsbedürfnis der Leser.
Hier können Sie die Sendung noch einmal sehen.
Cohn-Bendit ist nun wahrlich kein Revoluzzer mehr, aber Unterhaltungswert hat der Europa-Parlamentarier der Grünen immer noch. Man könnte ihn sich gut neben den Rolling Stones vorstellen.

Mir gefiel der Mut (sich überhaupt dorthin zu begeben) und die Souveränität von Josef Ackermann, der Cohn-Bendits Klischees ("Ich habe keine Ahnung von Banken") eine Menge an Sachverstand entgegen zu setzen hatte, wenn auch immer wieder in Begriffen, die der Durchschnittsbürger nicht versteht. Dass sich die beiden immer mehr anlächelten, gefiel Spiegel Online nicht, aber was ist denn anderes von zwei freundlichen älteren Herrn mit spannender Vergangenheit zu erwarten? Das "Kamingespräch" (Spiegel Online) war informativer als manche Selbstdarstellung in Talkshows.
TV-Talkshow Moderatoren haben den großen Vorteil, dass Sie Ihre Gäste mit früheren Zitaten bildhaft vorführen können. So musste auch Ackermann seine eigenen Zitate über sich ergehen lassen. Doch hatte er immer eine plausible Antwort parat. Dass sich die einst von ihm anvisierte Eigenkapitalrendite von 25% auf das Eigenkapital und nicht auf die Bilanzsumme bezog, musste wohl noch mal gesagt werden. Und auch, dass viele Mittelständler weit höhere Renditen erzielen. Den Aussagen, man dürfe nur Produkte verkaufen, die die Kunden verstehen, wurde der 40 Mio-Verlust der Stadt Hagen durch eine Zinswette gegenüber gestellt, die die Deutsche Bank dorthin verkauft hatte. Ackermann: Mann muss sehen, dass solche Städte auch hochkarätige Finanzexperten an ihrer Seite hatten. Und keiner spricht über Kommunen, die damit Geld verdient haben. Richtig!
Die Deutsche Bank hat ihren Privatkunden laut Ackermann keine strukturierten Produkte verkauft. Auch das sollte vermerkt werden. Den Libor-Skandal durch einzelne (- auch Deutsch-) Banker kritisierte Ackermann scharf, bei den Lebensmittel-Spekulationen hat die Deutsche Bank inzwischen Konsequenzen gezogen. Die Deutsche Bank ist eben so groß, dass sie bei allen Verfehlungen der Finanzbranche immer mit auf der medialen und manchmal, wie in den USA, auf der echten Anklagebank sitzt - obwohl sie laut Ackermann die meisten Prozesse gewonnen hat, also aus ihrer Sicht streng auf die Legalität jeder Aktion achtet.
Immerhin gehörte die Deutsche Bank zu den wenigen Großbanken, die ohne Blessuren und Staatshilfe die Finanzkrise überstanden haben. Mit der Übernahme der Postbank und anderen Banken haben die Frankfurter dem Steuerzahler mit Sicherheit weiteres Geld erspart.
Ja, und dann war da noch das Steinbrück-Papier, das Jauch immer wieder hochhielt. Ackermann teilt Steinbrücks Ansicht, "dass wir auf europäischer Ebene einen Restrukturierungsfonds benötigen, um Banken auch grenzüberschreitend abzuwickeln". Das interessierte eigentlich niemanden mehr wirklich.

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