Freitag, 14. September 2012

Was der Bertelsmann-Chef in der FAZ nicht sagte

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, die Interview-Aussagen (Das Interview finden sie im Original hier). von Thomas Rabe in der heutigen FAZ zu interpretieren und zwar, indem ich Rabes Aussagen frecherweise in rot ergänzt habe.

FAZ: Könnte die „Financial Times Deutschland“ die erste Publikation Ihres Hauses sein, die sich in ein reines Online-Medium verwandelt?

Rabe: Das ist eine Entscheidung des Vorstands von Gruner + Jahr. Ich will damit sagen, dass Gruner + Jahr genau dieses tun muss, und zwar schnell. 

FAZ: Bertelsmann hält 74,9 Prozent an Gruner + Jahr. Warum wollen Sie die 25,1 Prozent der Familie Jahr auch noch übernehmen?

Rabe: Ein Minderheitsgesellschafter hat meist ein Auge darauf, dass das Geschäft eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Die Frage ist allerdings, ob das für Gruner + Jahr in Zeiten der Medienkonvergenz noch der richtige Weg ist. Hierüber sind wir auf Gesellschafterebene mit den Jahrs im Gespräch. Eine engere Zusammenarbeit mit anderen Konzernteilen wie der RTL Group oder unserer Buchverlagsgruppe Random House wäre einfacher, wenn der Verlag zu 100 Prozent Bertelsmann gehörte. Mit der gewissen Eigenständigkeit muss es vorbei sein. Genau das war der Grund dafür, dass die Digitalisierung der G+J-Medien völlig verschlafen wurde. Solange die Jahr-Familie eine Sperrminorität besitzt, können wir G+ J nicht nach unseren Vorstellungen umbauen bezw. in Teilen oder ganz verkaufen. Da bis auf Stern TV (RTL) alle bisherigen Versuche gescheitert sind, Magazine auch als Fernsehformat zu etablieren, sollte RTL hier mehr Einfluss bekommen. Das meine ich mit Medienkonvergenz. 

FAZ: Viele Gruner-Mitarbeiter fürchten, dass es dann zu einem Arbeitsplatzabbau kommen könnte. Was sagen Sie dazu?

Rabe: Gruner + Jahr steht vor Herausforderungen, die der neue Vorstand des Unternehmens adressieren wird - auch, um die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Das gilt völlig unabhängig von der Anteilseignerstruktur. Arbeitsplätze baut man nicht ohne ein strategisches Konzept ab. Das fehlt leider bisher. Da muss G+J mit dem neuen Vorstand seine Hausaufgaben nacharbeiten. Wir wollen ja wachsen und nicht schrumpfen. Es liegt am G+J Vorstand, welchen Weg er gehen will. 
FAZ: Nach einer vollständigen Übernahme könnten Sie G+J auch einfacher weiterverkaufen oder filetieren...

Rabe: Die Motivation für eine mögliche Aufstockung der Anteile ist nicht, den Verlag zu verkaufen. Wir wollen Gruner + Jahr behalten. Ich sage nicht, wir werden Gruner + Jahr behalten. Es wäre dumm von mir, einen Verkauf völlig auszuschließen, denn wir brauchen Eigenkapital für unser Wachstum, und wenn jemand einen guten Preis für das Ganze oder für Teile bietet, die nicht in unser neues strategisches Konzept passen, dann werden wir uns alle Optionen offen halten. 

Ich erinnere an ein Interview, das Bernd Buchholz vor einem Jahr dem Handelsblatt gegeben hat:

Frage: Warum hat es bei Gruner + Jahr nie richtig geklappt, innovative Onlinefirmen wenigstens zu kaufen, um davon zu profitieren?

Buchholz: Stimmt, auch wir haben Dinge ausprobiert und uns schlussendlich gegen Venturing entschieden. Ich bin an dieser Stelle konservativ: Wir konzentrieren uns mit Blick in die Zukunft auf unsere ureigenen Kernkompetenzen und nicht auf irgendwelche Versuche, unser Geschäft nach dem Motto "Hauptsache digital" durch Zukäufe auszuweiten..



Kommentare:

  1. Schön, Herr Brunowsky. Solche Ergänzungsghostwriter würden auch bei manchen Politikerinterviews hilfreich sein. Gibt es das demnächst als App.?
    Grüße.

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  2. :-) freut mich, das wäre ja wirklich mal eine neue journalistische Variante!

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  3. Hallo Bruno
    Wirklich eine wunderbare Idee. Genau solche Einordnungshilfen fehlen im heutigen Häppchen-Journalismus. Mit Platzmangel können sich die Web-Portale ja schlecht rausreden, also fehlt es wohl am Willen, am Können und realistisch betrachtet an Zeit, also Planstellen. Nicht nur Griechenland und Portugal werden kaputt gespart, sondern eben auch die Redaktionen.

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