Montag, 24. September 2012

Helmut Kohl - warum lässt man ihn nicht in Ruhe

Der  Spiegel macht Helmut Kohl diese Woche zu seiner Titelgeschichte. Ein gebrechlicher alter Mann, um den sich seine 48jährige Frau Maike kümmert, und ihn vor dem Medienrummel zu schützen sucht. Das legen einige Zeitzeugen so aus, als ob seine Frau Politik macht. Mir egal. Ich frage mich: Warum wird so ein verdienstvoller Mann immer noch mit Preisen an die Öffentlichkeit gezerrt, nur damit sich Institutionen damit schmücken können - wie übrigens auch bei Helmut Schmidt?
Gibt es denn gar keinen Respekt mehr vor dem Alter?
Ich hatte Ende der neunziger Jahre die Ehre, mit Helmut Kohl zwei Stunden bei einer Flasche Riesling unter vier Augen zu sprechen. Ich war beeindruckt von diesem Politiker, der so viele Schmähungen aushalten musste.
Seine Büroleiterin Juliane Weber hatte mich am Freitag mittag angerufen und gefragt, ob ich ihn am Nachmittag im Bundeskanzleramt besuchen könnte. Es ging um ein Vorgespräch eines seit langem für Capital beantragten Interviews. Unterstützt hatte meine Anfrage Renate Köcher, damals die zweite Frau hinter Elisabeth Noelle-Neumann. Kohl hielt einen Monolog über die Oderflut als erstes gemeinsames deutsch-deutsches Erlebnis nach der Wiedervereinigung. Die Bundeswehr erstmals als verbindendes Element. Später erzählte er mir die Geschichte seiner Freundschaft zu Mitterand. Kohl hatte den letzten Widerstandskämpfer von Kleist, der fließend französisch sprach, mit Mitterand zusammen gebracht. Mitterand war von der authentischen Geschichte des deutschen Widerstands beeindruckt und reichte Kohl die Hand.
So wurden die beiden Freunde.
Kohls Engagement galt dem Frieden in Europa und der Wiedervereinigung.
Das ist Geschichte, nicht das Gossiping über die Familie Kohls.

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