Sonntag, 19. August 2012

Wovor zittern wir eigentlich?

Peter Sloterdijk hat die Deutschen einmal als "Sorgengemeinschaft" bezeichnet. In der Tat: Nichts ist den deutschen Medien wichtiger als die Sorge. Die Eurokrise ist eine Sorgenkrise, und die Schuldenkrise natürlich erst recht. Um 120 Prozent zugenommen haben stressbezogene Krankheiten, lese ich. Rund 7 Millionen Deutsche leiden unter klinikrelevanten Angststörungen.

Hinter vorgehaltener Hand munkelt man, dass die Regierenden genau wie die Ökonomen und selbst die hochkarätigsten Wirtschaftsjournalisten selber nicht wissen, was sie tun sollen, weil keiner weiß, was auf uns alle zukommt. Welches Europa wir wollen sollen, weiß auch keiner so recht. Joschka Fischer glaubt sogar, dass es schlimmer wird als 1929, und natürlich kommt nun auch wieder Erich von Däniken zu Wort, der als Maya-Kenner nicht an den Weltuntergang, aber immerhin an die Ankunft der Aliens "in den nächsten 20 Jahren" glaubt. Na, wenigstens einer, der weiß, was auf uns zukommt... Die Perseiden haben ja schon mal ersten Kometengrüße  abgeworfen.
Deutschland geht es so gut wie noch nie. Exportweltmeister, rekordniedrige Arbeitslosenzahlen, sprudelnde Steuereinnahmen, niedrige Inflation, niedrige Zinsen. Was wollen wir eigentlich mehr? Gerade das ist das Problem: Je besser es ihnen geht, desto größer sind die Ängste des deutschen Michel. Je mehr Vermögen man hat, desto mehr hat man zu verlieren.
Ich empfehle, mit britischem Angriffsgeist (siehe Olympiade) in die nächste Krise zu marschieren.  Soll sie doch kommen die Krise! Wir Deutschen fühlen uns dann endlich wieder besser.
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1 Kommentar:

  1. Jacques Schuster hat in der "Literarischen Welt" am 06.02.2010 geschrieben: "Die Deutschen sitzen in der Kälteregion des Daseins, frösteln vor der Zukunft, versuchen zähneknirschend glücklich zu sein, leben mit ihren Ängsten auf du und du und irren furchtsam durch die Jahre wie ein im Wald ausgesetztes Kind. Ihre Maßnahmen dagegen heißen Ich-Bezogenheit, Flucht ins private und der Rat an alle Leidensgenossen: Verhängt die Fenster gegen die dahinrasende Zeit. Anders schaffen es die Deutschen wohl nicht mehr. Wer kann sich schon eine Auszeit aus dem Einerlei der Tage leisten?" Meine Empfehlung: untertauchen. Literaturtipp: Tauchen weltweit (www.ultimate-sports.net), Tauchreisetipp: Slow Dive (www.slow-dive.de). Das ist der beste Weg zum sicheren Untergang.

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