Donnerstag, 23. August 2012

Warum Bertelsmann Gruner + Jahr übernehmen will

Die Nachricht des Tages in der Medienwelt kommt vom Manager Magazin. Bertelsmann will wohl die Anteile der Jahr-Familie übernehmen und gegen Anteile an Bertelsmann tauschen. Der Jahr-Clan mit zwanzig Gesellschaftern will angeblich 5% von Bertelsmann bei diesem Tausch. Gutachten sollen Jahr mit 4 Prozent bewertet haben. Das Manager-Magazin schreibt:

"Ermittelten Wirtschaftsprüfer 2007 noch einen Wert von 3,5 Milliarden Euro, so sei dieser bereits auf 2,5 Milliarden gesunken. Jedes Jahr, heißt es beim manager magazin unter Berufung auf interne Berechnungen der Konzernmutter, gehe der Wert des Medienhauses um weitere 200 Millionen zurück."

Genau, wie ich vermutet habe. Denn Gruner+Jahr leidet nicht nur unter den Marktbedingungen. Aus meiner Sicht ist das Management des derzeitigen G+J - Vorstandes geradezu verheerend.
  • Es fehlt der Journalist an der Spitze des Verlages. Buchholz ist leider eine Fehlbesetzung. Ein FDP-Politiker wie er zieht keine Top-Leute ins Haus.
  • das Flaggschiff Stern hat mit den Chefredakteuren Osterkorn und Pätzold jede Spannung verloren. Wer redet noch über  Stern-Geschichten? Das Doppelpack an der Spitze verhindert jedes persönliche Profil. Da haben es sich zwei Journalisten mit Höchstgehältern bequem gemacht. Der Stern braucht einen neuen Chefredakteur mit Charisma. Kategorie Giovanni di Lorenzo.
  • Das Verschlafen der Onlineentwicklung ist ein unverzeihlicher Fehler. Hierzu habe ich schon alles gesagt.
  • Wieder wird ein neues Magazin-Projekt eingestellt. Der Vorstand hat das Gefühl für den Markt verloren. Er wirkt hilflos.
  • Die Wirtschaftspresse ist ohne Perspektive, trotz der guten Arbeit von Ingrid Haas. Es fehlt die Identität der Titel, und es fehlt an digititaler Ergänzung. Gute Journalisten gibt es zuhauf. Aber der ganze Anzeigenbereich liegt im Argen. 
Es gibt nur einen vernünftigen Grund, warum Bertelsmann alle Anteile bei Gruner + Jahr erwerben will: Es geht darum, Gruner+Jahr oder Teile davon zu verkaufen.Und das halte ich für strategisch absolut nachvollziehbar. Dieses Geschäft kann ich nur empfehlen.
Man könnte die Wirtschaftspresse an Holtzbrinck oder Springer verkaufen. Die FTD könnte redaktionell eigenständig bleiben, aber gemeinsam mit dem Handelsblatt vermarktet werden.
Andere Titel wie Stern, Brigitte und GEO kämen unter die Kuratel des erfolgreichen Bertelsmann-Unterhaltungsbereiches für eine Multichannel-Strategie.

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