Freitag, 3. August 2012

Die erstaunliche Entwicklung von Pro7Sat.1

Wir lesen derzeit nur noch über Bankenkrisen und schwächelnde Autokonzerne.  Dabei gibt es auch noch großartige Erfolgsgeschichten in Deutschland: Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 gehört für mich dazu.
Im Jahr 2007 stiegen die Finanzinvestoren Permira und KKR in die Sendergruppe Pro7Sat1 ein und übernahmen die Mehrheit.
Noch 2008 hatte die Welt berichtet:
"Seit der SBS-Übernahme ( Anmerkung: europäische Sendergruppe) sitzt ProSiebenSat.1 auf einem Schuldenberg von rund 3,5 Mrd. Euro. Im ersten Quartal lief das Geschäft schlecht. Wegen sinkender Werbeeinnahmen und schwacher Quoten auf dem Heimatmarkt war das operative Ergebnis um ein Viertel eingebrochen. Auch der Umsatz ging zurück." 
Die Kritik lautete, dass die Finanzinvestoren das Unternehmen zu einer 3 Milliarden- und Schuldenübernahme gezwungen und damit die Luft zum Atmen genommen hätten.
Inzwischen erweist sich das alles längst als Humbug.
Gestern kam das Unternehmen mit  glänzenden Zahlen für das zweite Quartal heraus. Siehe Quartalsbericht ProsiebenSat.1. Ein Beleg dafür, dass die oft gescholtenen Finanzinvestoren unglaublich viel bewegen können.
Seit Thomas Ebeling  Guillaume de Posch 2009 als CEO abgelöst hat, (Posch ist heute im Vorstand von RTL) ist fast nur noch Gutes über die Sendergruppe zu hören. Widerlegt wurde zum Beispiel der Irrglaube, nur erfahrene Fernsehmacher könnten einen Sender zum Erfolg führen: Ebeling, ein diplomierter Psychologe, hatte nie mit Fernsehen zu tun,  war zuvor Mitglied der Geschäftsleitung des Pharmakonzerns Novartis und Chef der  Division Consumer Health. Vorher arbeitete der Marketingexperte für Reemtsma und Pepsi Cola. Er ist einfach ein brillanter Manager.
Obwohl der Marktanteil von ProSieben seit dem Höchststand 1995 von 9,9 auf 6,2% gesunken ist, verdient das Unternehmen prächtig. 2011 wies der Geschäftsbericht ein Umsatzwachstum von 6 % auf inzwischen 2,756 Mrd. € aus, der Jahresüberschuss war um über 12% auf 308 Mio.€ gestiegen.
Im Werbemarkt hatte die Sendergruppe 2011 einen Marktanteil von 42,3 %. Die viel kritisierte Verschuldung durch die Übernahme konnte von 3 auf 1,9 Mrd. € abgebaut werden. Neue Formate brachten den vier Sendern der Gruppe neues, junges Publikum. Das digitale Potential des Mediums Fernsehen wird konsequent ausgebaut. Darüber hinaus zeigen die Experimente Online-Video und Online-Games Wirkung und legen im Umsatz stark zu.  Neuausrichtung und Diversifizierung treiben das Wachstum. Das Unternehmen plant bis 2015 nur noch mit 50 Prozent des Umsatzes aus Werbeeinnahmen.
Vorbildlich, was hier abläuft, wenn ich das mal mit einem öffentlich rechtlichen Sender wie dem ZDF vergleichen darf. Ich ziehe meinen Hut. Vielleicht sollte man das ZDF doch besser privatisieren?


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