Montag, 25. Juni 2012

Wenn Fußballer "Leistung abrufen"

In Deutschland gibt es ein neues Modewort: "Leistung abrufen". Erfunden haben es vermutlich die Rhetorik-Berater der Fußballprofis. Man hört es in jedem Interview mit deutschen Fußballprofis.  "Ich muss nur meine Leistung abrufen" - dann ist alles wieder gut. Die Leistung muss immer dann abgerufen werden, wenn man schlecht gespielt hat: "Hallo, Leistung, wo bist du? Bitte sofort kommen, wenn ich dich abrufe." 
Welche fußballerische Leistung, kann man denn eigentlich abrufen? zum Beispiel statt 10 Kilometer 11 Kilometer rennen, so wie Bastian Schweinsteiger, der trotzdem wegen seiner schlechten Knöchel schlecht gespielt hat. Denn er hat die Leistung "saubere Pässe spielen" nicht abgerufen. Pässe spielen wäre wichtiger als mehr rennen gewesen, zum Glück haben wir Griechenland trotzdem besiegt.
Schweinsteiger müsste jetzt eigentlich statt Leistung was anderes abrufen, zum Beispiel Begeisterung. Oder Konzentration. Oder das Antigrübel-Gen.  Ist ja alles vorhanden, muss nur abgerufen werden.  
Daraus können wir alle doch eine Menge lernen. Journalisten können Formulierungen abrufen. Werbeagenturen rufen gute Ideen ab. Angela Merkel ruft Lösungen zur Eurokrise ab. 


Früher waren die Fußballspieler übrigens im Interview eher Denker. Jeder zweiter Satz fing an mit "Ich denke..." . Dann schon lieber Leistung abrufen...




1 Kommentar:

  1. Das erinnert mich an den sprechenden Ex-Spieler Mehmet Scholl, der kürzlich bei der EM-Übertragung von "Spielermaterial" sprach. Willkommen 1980!

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