Mittwoch, 13. Juni 2012

"Ich fühle mich provoziert"

Wenn ich höre, dass sich einer provoziert fühlte und deshalb auf einen anderen einprügelt, wie gestern am Rande des Fußballspiels Polen-Russland, dann sträuben sich mir die Nackenhaare.  Es stört mich, dass sich die Medien so leicht mit solchen Erklärungen abfinden.
Die Provokation ist so ziemlich die unnachweisbarste Erklärung eines Fehlverhaltens, übrigens auch in der Geschichte. Laut Wikipedia werden "Provokationen nur selten untersucht, weil die Quellen fast stets ungenügend und verfälscht sind und weil den meisten Historikern die operative Kenntnis fehlt, ohne welche sie die Knäuel der falschen Angaben nicht zu entwirren vermögen. Durch die Vernachlässigung dieses wesentlichen Themas entsteht aber eine gefährliche Verzerrung des Geschichtsbildes …”. So der  US-Historiker Stefan S. Possony in einem Kapitel seines Buches „Zur Bewältigung der Kriegsschuldfrage”, unter dem Titel „Die hehre Kunst der Provokation”. 
Wenn Prügler sich prügeln wollen, dann prügeln sie - mit oder ohne Provokation. Die Aufgabe der Polizei ist es, das zu verhindern.
Im Alltag fühlen sich insbesondere Choleriker permanent provoziert. Aber das ist eben ihr Problem, nicht das des vermeintlichen oder tatsächlichen Provokateurs.
Letztlich geht es um eine Ausrede. Mit dem Alibi "ich wurde provoziert" ist es ähnlich wie mit dem Argument "Ich war betrunken und wusste nicht was ich tue". Verminderte Schuldfähigkeit ist das für mich nicht.

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