Samstag, 2. Juni 2012

Droht eine Hyper-Inflation?

Gestern telefonierte ich mit einem Kleinunternehmer, der seinen Firmensitz in die Schweiz verlegt, weil er eine Hyperinflation befürchtet.
Das hat mich denn doch einigermaßen verblüfft. Wird es wirklich so schlimm?
Googelt man im Internet, so staunt man doch, wie verbreitet dieser Humbug ist.
Im Februar warnte der Fondsmanager Guido Lingnau gegenüber dem Börsenfernsehen der ARD vor einer Hyperinflation in Japan: "... Es gibt keine Notenbank, die mehr eigene Staatsanleihen besitzt als die japanische...Wir werden Japan wahrscheinlich eine Inflationsrate von deutlich über 20 Prozent in den nächsten fünf Jahren erleben. Wann genau, lässt sich nicht sagen." 
Wenig später ließ sich auch der Börsenpessimist Marc Faber, genannt "Dr. Doom" (Wikipedia) in Focus Money zu einer Hyperinflation in den USA aus. 
Als Argument dienen hier neben der Staatsverschuldung immer wieder die angeblich ausufernde  Geldmenge. 
Ich empfehle hier die ausgezeichnete und differenzierte Analyse von  Gerald Braunberger (hier klicken), dem Leiter des FAZ-Finanzressorts, vom  10. Februar 2012. Dessen Fazit lautet: Man sollte das Inflationspotential einer durch den Bankensektor wachsenden Geldmenge nicht abschreiben, aber auch nicht überschätzen. 
Entscheidend für eine Inflation ist  nicht die Geldmenge für sich genommen, sondern ihre Wirkung auf die Realwirtschaft. Mehr Geld auf dem EZB-Konto ist etwas anderes als mehr Geld im Wirtschaftskreislauf. Erst dann, wenn mehr Geld zu höhere Nachfrage führt und dieser Nachfrage kein ausreichendes Angebot gegenübersteht kommt es zu steigender Inflation.
Und wo bitte soll die derzeit herkommen?  Letztlich bleibt es dabei: Inflation entsteht entweder durch einen starken Nachfrageüberhang oder durch Kostenschübe (Rohstoffe wie Ölpreis, Löhne). Nichts davon ist zu erkennen. 

Stiglitz warnt vor den Folgen einer rigiden Sparpolitik

Das größere Problem droht uns, wenn wir unseren Nachbarländern eine Brüningsche Sparpolitik verordnen, statt ihnen zu helfen, neues Wachstum zu generieren. Eindringlich warnte jetzt der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz vor den politischen Folgen einer überzogenen Austerity-Politik. Die Folgen sind in Griechenland zu besichtigen. Richtig ist, dass die Euro-Mitgliedsländer langfristig wieder ausgeglichene Haushalte anstreben müssen. Das wird aber nicht möglich sein, wenn die Wirtschaft immer weiter schrumpft, statt zu wachsen. Eine Deflation ist politisch gefährlicher als eine leicht steigende Inflation.
Es geht letztlich darum, dass unsere Nachbarländer, in die wir den größten Anteil unserer Exporte liefern, langfristig wieder wettbewerbsfähiger werden. Investoren müssen stabile Rahmenbedingungen vorfinden.
Entscheidend hier ist eine vernünftige Lohnpolitik, mit der schwache Euro-Länder, denen die Abwertung der Währung im Euroraum nicht mehr möglich ist,  ihre Wettbewerbsposition verbessern können. Langfristige Tarifverträge mit moderatem Lohnwachstum sind für Investoren immer ein attraktiver Standortfaktor. 




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