Samstag, 5. Mai 2012

So werden greise Patienten abgezockt

Mein  88jähriger Vater, Autor des Bestsellers "Opa das kannst du auch - mein Enkel erklärt mir den Computer" , kam Anfang Januar wegen Herzflimmerns ins Krankenhaus. 70 Tage lang wurde er behandelt. Jetzt erhielt er eine Rechnung - ohne die Arzt- und Laborkosten ! - vom Krankenhaus - nur für den Aufenthalt einschließlich Zeiten in der Intensivstation in Höhe von

 48 000 Euro


die er bei der Beihilfe eingereicht hat - das sind pro Tag 685 Euro.

Kein Wunder, dass unser Gesundheitssystem kaputt geht.
Es war überdies ein Martyrium für meinen Vater. Meine Schwester, approbierte Ärztin, hat festgestellt, dass während der Behandlung schwere Fehler gemacht wurden und die Angelegenheit einem Anwalt übergeben.
Ich weiß nicht, ob ich alles zusammenkriege, aber es passierte unter anderem Folgendes:
Zunächst setzte man ihm einen Herzschrittmacher ein, der zu einer Infektion führte und wieder heraus genommen werden musste. Es folgte eine längere Wundbehandlang, da die Wunde wegen der Einnahme von Blutverdünnungsmitteln nur sehr langsam heilte. Irgendwie kam dann Wasser ins seine Lunge, das abgesaugt werden musste. Später blähte sich sein ganzer Körper auf. Sein Bauch und seine Beine waren voller Wasser - er nahm dadurch 20 kg zu. Auf dem Weg der Besserung wurde er dann mit Krankenhauskeimen infiziert, die tagelang zu starkem Durchfall führten und ihn völlig schwächten. Besucher durften wegen der hohen Ansteckungsgefahr nur mit Mundschutz und Plastiküberzug zu ihm.
Zwischendurch wurde er ohne die dafür notwendige Zustimmung und Aufsicht nachts ans Bett gefesselt. Durch eine fehlerhafte Intubation wurde ein Teil seiner Stimmbänder gelähmt, so dass er kaum noch sprechen kann. Aufgrund von Blutverdünnungsmitteln, bekam er oft Nasenbluten. Eines Nachts wurde er trotz Benachrichtigung durch meine Schwester, die er wegen stundenlangen Nasenblutens am Abend angerufen hatte, erst um vier Uhr morgens behandelt. Beinahe wäre er verblutet.
Das alles für 48 000 Euro zuzüglich Behandlungskosten für einen Privatpatienten. Ich bin gespannt, wie hoch die sind. Mein Vater, der sich selbst nicht mehr versorgen kann,  konnte vor einigen Wochen einen Platz in einem schönen  Pflegeheim bekommen, wo er sich wohl fühlt. Meine 87jährige Mutter, die monatelang auf seine Rückkehr nach Hause gewartet hatte, ist ihm jetzt ins Pflegeheim gefolgt. Sie bekam vor vier Wochen einen zweiten, leichten Schlaganfall und ist seitdem ebenfalls nicht mehr fähig, sich selbst zu versorgen.

Ich habe das Gefühl, dass die Gesellschaft in den Diskussionen über das Altern die oberste Spitze der sehr alten Menschen völlig ausklammert. Wie wollen wir mit ihnen in Zukunft umgehen? Die hohe Lebenserwartung verlangt hier ganz neue Konzepte.






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