Sonntag, 20. Mai 2012

Deutsche Medien und Facebook

Die Begleitung des Börsengangs von Facebook durch die deutschen Medien hat mich irgendwie gestört. Da legt ein erst im Februar 2004 gegründetes Unternehmen einen 100-Milliarden-Börsengang hin und die deutschen Journalisten maulen herum. Ich weiß nicht, wer von ihnen jemals die Facebook-Zentrale besucht hat, mit den Gründern oder wenigstens mit dem Management gesprochen hat.
Aber die Frage, ob man die Aktie kaufen soll wird einhellig mit "man weiß es nicht" beantwortet. Das ist ja nicht falsch, aber wie hoch ist der Informationsgehalt?
Facebook muss jetzt weiter wachsen und höhere Gewinne machen, wenn es wirklich soviel wert sein will, lesen wir weiter. Wow! Auch richtig. Ob sich die Leute, die Facebook an die Börse gebracht und der Firma 18 Milliarden Dollar in die Kasse gespült haben, das wohl überlegt haben?
In all den Beiträgen erfahren wir zuwenig über das Geschäftsmodell, mit dem Facebook immerhin schon eine Milliarde Jahresgewinn erwirtschaftet hat.
Wer hätte beim Google Börsengang 2004 gedacht, dass das Unternehmen mit einem damaligen Umsatz von 1,5 Milliarden US Dollar acht Jahre später 10 Milliarden Gewinn machen würde? Trotzdem haben Anleger am ersten Börsentag über 100 Dollar hingeblättert und damit später einen prächtigen Gewinn erzielt.

Eines der wenigen Interviews, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg deutschen Medien gegeben hat, fand ich 2008 in der Süddeutschen Zeitung. Auszug:


SZ: Sie sind ein Kritiker der traditionellen Medien. Glauben Sie wirklich, dass Fernsehen und Zeitung überflüssig geworden sind?
Zuckerberg: Ich glaube, dass gute Inhalte immer wichtig bleiben. Aber eine Sache, die sich ändert, ist die Art, wie die Menschen an diese Inhalte kommen. Statt Massenmedien werden Freunde eine wichtigere Informationsquelle. Wenn Ihnen ein Freund einen Link zu einem Text oder einem Film oder einem Musikstück schickt - dann haben Sie doch sehr viel mehr Interesse daran, als wenn ein wildfremder Journalist oder Musikredakteur für Sie aussucht.
Damals hatte Facebook 100 Millionen Nutzer, heute sind es über 900 Millionen.
Jedes Mitglied ist am Jahresende etwa 100 Euro wert. Ich vergleiche das mal mit  dem Wert eines Abonnenten einer großen Tageszeitung. An den Werbegeschenken lässt sich nachvollziehen, wie viel ein Leser den Verlagen wert ist. Auszug aus "Abo-Direkt":

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Bargeld bis zu 140 Euro also  - na bitte!

Man könnte auch den Handelswert eine Adresse nehmen, die Verlage aus ihrem Abonnentenstamm verkaufen - je nach Qualität zwischen 30 Cent und über einen Euro.  Über Facebook kann ein Autokonzern theoretisch 900 Millionen Menschen erreichen.  Wer kann das heute bieten? Dass Facebook gesellschaftlich problematisiert wird, ist richtig. Riesen müssen immer mit Misstrauen beobachtet und an die Leine gelegt werden.
Aber dieser einmalige unternehmerische Erfolg des Mark Zuckerberg ist zukunftsweisend. Für mich ist die Facebook-Aktie ein klarer Kauf, erst recht, wenn sie sich noch verbilligen sollte.



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