Sonntag, 13. Mai 2012

BILD-Inflation

Die BILD-Zeitung verdächtigt auf ihrer Titelseite den Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann, bewusst die Inflation hochzutreiben und den Euro weich zu machen. FAZ-Herausgeber Holger Steltzner macht die Inflation in  der Sonntags-FAZ ebenfalls zum Aufmacherthema. Seiner Meinung nach steckt die EZB in der Falle: Erhöht sie die Zinsen, gefährdet sie die wackelnden Schuldenstaaten, tut sie es nicht, nimmt sie Inflation in Kauf. Das FAS-Layot malt in großen Lettern Inflationsraten von 4 bis 9 % über den Text.
Steltzner greift das "Target"- Problem auf, das der IFO-Präsident Hans-Werner Sinn als erster beim Namen genannt hat: Die wackelnden Südländer der Eurozone haben laut Steltzner zur Finanzierung ihrer Leistungsbilanz-Defizite über ihre jeweiligen Notenbanken Verbindlichkeiten von 950 Milliarden Euro aufgehäuft, weil sie billigeres Geld (oder überhaupt noch Geld) von der EZB erhalten als von den Kapitalmärkten. Hauptgläubiger ist wiederum die Deutsche Bundesbank mit 644 Milliarden - im Grunde uneinbringlichen - Forderungen an die Eurozone. Der Witz ist, dass die Südländer auch noch 70 Prozent der Stimmen in der EZB besitzen. Sie werden dafür sorgen, dass die EZB-Zinsen niedrig bleiben - auch bei steigender Inflation.
Die Frage ist, wie denn eine Inflation überhaupt in Gang kommen soll. Wir haben im Studium gelernt: Entweder Cost-Push  oder Demand Pull Inflation. Entweder durch steigende Kosten (Rohstoffe, Löhne) oder durch überschießende Nachfrage.
Manche glauben, auch Geldmengenexpansion wirke inflationär. Eine steigende  Geldmenge allein bedeutet jedoch  noch keine Inflation. Erst wenn die Realwirtschaft diese höhere Geldmenge aufsaugt - also beispielsweise durch massiv steigende Kreditvergabe die Nachfrage das Angebot stark übertrifft - erst dann wirkt Geldmenge inflationsverstärkend.

Da sich die Rohstoffpreise wieder beruhigt haben, kommt derzeit das Hauptrisiko einer Inflation von Lohnerhöhungen. Sie würden zwar einen Effekt dämpfen, der zum Targetproblem wesentlich beiträgt: Deutschland  verkauft seit Jahren den Euro-Ländern mehr, als diese bezahlen können. Wenn wir durch Lohnerhöhungen teurer im Export werden, wird uns im Außenhandel auch weniger abgekauft.  Aber dies könnte auch zu einer Lohn-Preisspirale führen, die durch steigende Inflationsraten unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter vermindert. Unctad Ökonom Heiner Flassbeck hält übrigens  genau das für den einzigen langfristigen Weg aus der Euro- und Finanzkrise.

BILD und FAS sind nicht irgendwelche Medien.  Wenn diese Medien in der jetzigen Situation die Inflationsgefahr ausrufen, dann hat das Wirkung. Welche Ängste werden bei Otto Bildverbraucher ausgelöst?

Inflationserwartungen gibt es nunmehr reichlich. Sie eilen einer tatsächlichen Inflation stets voraus Und die Flucht in die Sachwerte hat schon begonnen.


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