Freitag, 27. April 2012

Kostolanys Erben

Heute las ich in der FAZ einen Beitrag über die Anlagepolitik des Vermögensverwalters Holger Schmitz, der sich damit schmückt, in der Firma Fiduka einige Jahre mit dem André Kostolany zusammen gearbeitet zu haben.
Hierzu möchte ich einige Erinnerungen beitragen.
Ich kannte Kostolany ganz gut, weil er während meiner zehnjährigen Zeit bei Capital - und auch schon vorher - bis zu seinem Tod 1999 viel gelesene Kolumnen schrieb.

Kostolany war ein Unterhalter, der mitreißend und antiautoritär vor nichts Respekt hatte. Sein Lieblingsgegner war die Deutsche Bundesbank und dort der Hardliner Helmut Schlesinger, von dessen Antiinflationspolitik er nichts hielt. Stattdessen verlangte er, drei bis vier Prozent Inflation zuzulassen.

Einen seiner letzten Auftritte Ende der neunziger Jahre begleitete ich auf dem Podium - ich glaube es war im Hotel Bayerischer Hof. Mit 91 Jahren füllte er immer noch einen ganzen Saal in München mit 800 Anlegern. Sinngemäß verkündete er: "Die Börse ist wie ein Hund, der seinem Herrchen mal voraus läuft, mal zurück bleibt, und trotzdem geht es immer weiter nach vorn."
Das aus Ungarn stammende und in Paris lebende Urgestein wird heute immer nur als Börsenguru gesehen, aber das war er eigentlich nicht. Er selbst nannte sich lieber "Spekulant".

Dabei hat keiner, wirklich durchschaut, wo (und ob überhaupt!) Kostolany wirklich investiert hat - auch nicht seine Partner in der Vermögensverwaltung Fiduka (Gottfried Heller). Denn dort war "Kosto", wie wir ihn nannten, nur ein Aushängeschild, nicht einmal ein aktiver Berater. Nach seinem Tod wurde er in einer Weise vereinnahmt, die auch seiner Frau nicht gefiel, mit der ich gelegentlich Kontakt hatte. Konkrete Anlagetipps hat er nie gegeben, sondern immer gesagt: "Sie können alles kaufen. Wenn Sie eine Schlaftablette nehmen und in 20 Jahren aufwachen, werden Sie eine positive Überraschung erleben."
Das einzige Wertpapier, das er in meiner Zeit je konkret erwähnte, waren russische Vorkriegs-Staatsanleihen, mit denen er angeblich irgendwann hohe Gewinne gemacht hat. Er rieb sich lieber mit dem Zeitgeist: Den Neuen Markt hat er verdammt, als wir ihn bei Capital noch feierten. Die Bundesbank hielt er für überflüssig. Seine volkswirtschaftliche Philosophie war anarcho-kapitalistisch mit immerwährendem Optimismus. Es machte einfach Spaß, seine permanenten Angriffe gegen das Establishment zu lesen.

Er würde sich im Grab umdrehen, wenn er von den ganzen Crash-Propheten hören würde, die sich im Büchermarkt tummeln und an den Anlegerängsten verdienen.
P.S. Seine größte Freude war ein Geschenk der Capital-Redaktion zu seinem 90. Geburtstag, das ich bei der Eifeler Künstlerin Jutta Eckenweiler in Auftrag gegeben hatte: Kosto als Bronzestatue, mit Capital unterm Arm. Der einzige Schmuck übrigens in der Stubbenhuk-Hütte der Gruner&Jahr Wirtschaftspresse.

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