Donnerstag, 8. März 2012

Bürgernähe - Schlagwort ohne Inhalt

Politiker propagieren gern die Bürgernähe. Ein schönes Schlagwort, aber wie sieht die Praxis aus?
Vorgestern besuchte ich morgens das Mainzer Einwohnermeldeamt, um meiner Bürgerpflicht zu genügen und mich hier als neuer Bürger anzumelden. Man zieht sich eine Nummer und wartet, bis man aufgerufen wird. Von den zwanzig voll eingerichteten Arbeitsplätzen waren nur fünf besetzt. Krankheit und unterbesetzte Stellen waren der Grund. Als ich ankam, zog ich die Nummer H 73. Die Leuchttafel zeigte H 17 an. Auf meine Nachfrage bestätigte sich: vor mir warteten 56 Leute.
Dann entdeckte ich an einer Säule einen deutschen Hinweis: Haben Sie Ihren Personalausweis und Ihren Mietvertrag mitgebracht?
Natürlich hatte ich den Mietvertrag nicht mit. Gestern fuhr ich erneut hin. Diesmal zog ich E 17, die Leuchttafel zeigte A 73 an. A geht bis  A 99 und aus irgendeinem Grunde geht es dann mit E 1 weiter. Also diesmal nur etwa 45 Leute vor mir. Es waren  6 Arbeitsplätze besetzt, davon aber nur 4 aktiv, weil um 12h zwei zum Mittagessen mussten. Während der eineinhalb Stunden Wartezeit beobachtete ich viele Ausländer, die nach langer Wartezeit erfuhren, dass sie einen Mietvertrag mitbringen müssen - oder weil irgendetwas anderes fehlte -und wieder abzogen.
Vielleicht ein banales Beispiel. Aber wenn ich an die vielen überflüssigen Behörden (siehe das BrunoMedia-Buch "die 50 überflüssigsten Behörden") und Stellen denke, dann wird hier offensichtlich an der falschen Stelle gespart.
Am Sonntag wird übrigens in Mainz ein neuer Bürgermeister gewählt. Da ich noch nicht 3 Monate lang hier wohne, darf ich nicht mitwählen (Warum eigentlich nicht?). Ich hätte den Grünen Spitzenkandidaten gewählt. Seine Parole gefällt mir am besten: "Bürger holt euch eure Stadt zurück".



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