Donnerstag, 17. November 2011

Wie die Bundesbank unsere schwachen Nachbarn finanziert

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der deutschen Bank, hat soeben im ARD-Frühstücksfernsehen darauf hingewiesen, dass unsere Schuldverpflichtungen weit höher sind, als Frau Merkel uns weismachen will.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat die deutsche Bundesbank bislang 460 Milliarden Euro für den Ausgleich der Zahlungsbilanzen von Ländern mit Zahlungsbilanzdefiziten an die EZB überwiesen. Die wiederum verleiht dieses Geld an die defizitären Länder, damit diese ihren Importüberschuss bezahlen können. Die 460 Milliarden sind die Summe aller Zahlungsbilanzdefizite von Griechenland, Irland, Spanien und Portugal. Ohne den Euro müssten diese Länder erst einmal ihre Gold- und Währungsreserven einsetzen, und wenn die aufgebraucht wären, würde die Abwertung der Währung das Defizit ausgleichen.
"Es ist so, als ob Sie nebenan in der Kneipe anschreiben lassen. Die Kneipe ist die EZB, die Ihnen Kredite gibt, in der Annahme, dass Sie ihren Kredit irgendwann zurückzahlen können. Das Ganze erfolgt geräuschlos, sozusagen "unter Wasser". Es ist als ob sich hier ein bislang von den Parlamentariern kaum bemerktes Unterwassermonster zu fürchterlicher Größe mästet . Im März 2011 schrieb Hans Werner Sinn in Zeit Online:


"Bis zum März 2011 wurde in den GIPS-Ländern (Griechenland, Irland, Portugal und Spanien) zusammengenommen für 314 Milliarden Euro zusätzliches Zentralbankgeld geschöpft und verliehen, um die Zahlungsbilanzdefizite dieser Länder zu finanzieren, ihnen also den Nettoerwerb von Gütern und Vermögensobjekten in anderen Ländern des Euro-Raums zu ermöglichen. Dieses zusätzliche Geld (die Target-Salden) umfasst derzeit 59 Prozent des gesamten Bestands an kreditgeschöpftem Zentralbankgeld im Euro-Raum oder 90 Prozent desjenigen Teils, der aus den GIPS-Ländern stammt."

Und diese Kreditschöpfung geht zur Neige! Sinn weiter:

"Das von außen hereinströmende Zentralbankgeld verdrängte in den Kernländern der ehemaligen D-Mark-Zone eins zu eins die durch Notenbankkredit zustande gekommene Geldmenge, seit 2008 etwa 100 Milliarden Euro pro Jahr. Da der Restbestand dieses Kredits Ende letzten Jahres schon bis auf 180 Milliarden Euro geschrumpft war, droht er im Jahr 2013 gänzlich zur Neige zu gehen. Die EZB könnte in diesem Fall die Banken der Kernländer mit ihrem Hauptrefinanzierungssatz nicht mehr erreichen und verlöre ihr wichtigstes geldpolitisches Instrument."


Mit anderen Worten, Es ist nicht richtig, dass Deutschland nur mit maximal 210 Milliarden Euro für den Euro haftet, wie Kanzlerin Merkel versprochen hat. Wir haften auch für die Milliarden, die die Bundesbank für die EZB druck und an die PIIGS verleiht.

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