Donnerstag, 24. November 2011

Heiner Flassbeck - ein verkanntes ökonomisches Genie

In den achtziger Jahren spielte ich mit Heiner Flassbeck gelegentlich Tennis in Bonn-Meckenheim. Flassbeck, der später für Oskar Lafontaine als Staatssekretär von sich reden machte, arbeitete damals in der Grundsatzabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums in Bonn unter Tietmeyer, der als Leiter der Grundsatzabteilung des Wirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff dessen Thesen zur Liberalisierung der Wirtschaft verfasst hatte.
Flassbeck, ein Fan von Schumpeter, beindruckte mich durch seine umfassende Theorie des Arbeitsmarktes, in der er nachwies, dass der Arbeitsmarkt kein "normaler Markt" ist und so auch nicht funktioniert. Seine theoretischen Abhandlungen zur Wechselkursthematik waren echt schwerer Stoff. Ich muss zugeben, dass ich Schwierigkeiten hatte als damaliger Korrespondent der Wirtschaftswoche seinem ökonomischen Sachverstand zu folgen. Und ich glaube, das ging auch seinen Vorgesetzten so. 


Heute fand ich über Twitter  in der Schweizer "Tageswoche " (Hier das komplette Interview) einen bemerkenswerten Beitrag von Flassbeck, den ich für sehr lesenswert halte: Auszug:


Bleibt es bei der jetzigen Situation, hat der Euro leider keine Chance mehr. Ich sage leider, weil ich die Währungs­union für eine grosse Errungenschaft hielt. Aber solange sich Deutschland weigert, über das eigentliche Problem zu reden, das aussenwirtschaftliche Ungleichgewicht, solange hat der Euro keine Chance und wird uns um die Ohren fliegen. Statt über die wahren Probleme zu sprechen, fokussiert man sich auf die Schulden der Länder und zwingt sie, in der ­Rezession zu sparen, was niemals gut gehen kann. Alle Länder mit hohen Staatsschulden brauchen Wachstum. Wenn das Kernproblem nicht angegangen wird und die Unsicherheit weiter zunimmt, werden Finanzmärkte kollabieren, weil die Menschen ihr Geld aus­ser Landes schaffen. Müssten in letzter Konsequenz einige Länder aus der Währungsunion aussteigen, vielleicht hintereinander, vielleicht ­zusammen, wäre das eine Katastrophe, ein furchtbarer Prozess, aber in ab­soluter Verzweiflung machen Länder solche Dinge. Sie werden abwerten, ihre Grenzen dicht machen – Freihandel ist kein Natur­gesetz –, und Deutsch­land verliert über Nacht seine so schön eroberten Märkte. Und dann, Gnade Gott Deutschland, dann wird es wirklich bitter. Ein Handelskrieg wäre die Folge, die Arbeitslosigkeit würde massiv steigen. 


UNO-Chefökonom Heiner Flassbeck
UNO-Chefökonom Heiner Flassbeck (Bild: Niels Ackermann)


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