Mittwoch, 9. November 2011

Gastautor Thomas Grüner über Politiker in der Finanzkrise



Denn sie wissen nicht, was sie tun!
Von Thomas Grüner,
www.gruener-fisher.de

In den letzten Tagen haben sich die Ereignisse auf politischer Ebene überschlagen. Fast schon stündlich wurden diverse Rücktrittsmeldungen aus Italien und Griechenland, angebliche Volksabstimmungen und geplatzte Vereinbarungen vermeldet, nur um diese Meldungen anschließend wieder korrigieren zu müssen. Alles andere als ruhige Zeiten.

Die Politik will die Welt retten

Die Talkshows sind fast immer voller Politiker, die uns ihre Sicht auf die Welt verkünden. In den letzten Wochen ist diese Politikerdichte sogar noch sprunghaft angestiegen. Nahezu alle ranghohen Funktionäre drängeln sich in den Medien, geben sich in den Fernseh- und Nachrichtenstudios die Klinke in die Hand und werden dabei nicht müde, sich als die Retter der Welt darzustellen. Es wird dabei übersehen, dass die Politik in den letzten Jahrzehnten viel eher das Problem selbst, als dessen Lösung war. 

„Gut gemeint“ ist fast nie „gut gemacht“

Unsere Welt ist komplex. Die Finanzwelt ist noch komplexer. Es gibt viele interessante Studien zu dem Thema, dass die Politik die Auswirkungen ihrer Handlungen nicht im Geringsten abschätzen kann und Eingriffe in die Wirtschaft nur in den seltensten Fällen die gewünschte Wirkung erzielen. Das Gegenteil der gewünschten Wirkung wird dagegen viel öfter erreicht. Diese Gefahr ist vielen nicht bewusst. Die „Retter der Welt“ sind oder verursachen oft das eigentliche Problem.

Zwei Beispiele von Ursache und Wirkung

In den letzten Wochen wurden zwei wichtige Dinge beschlossen. Die amerikanische Notenbank FED hat sich zur Operation „Twist“ entschlossen und die europäischen Banken sollen zukünftig mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Auf den ersten Blick hört sich beides ganz vernünftig an. Wenn die FED in den USA für tiefere, langfristige Zinssätze sorgt und europäische Banken mehr Eigenkapital haben müssen – nicht schlecht. Aber nur auf den ersten Blick!

Die FED kauft langfristige US-Anleihen und finanziert dies mit der Ausgabe kürzerer Laufzeiten. Dies hat zur Folge, dass die langfristigen Zinssätze fallen und die kurzfristigen steigen – die Zinsstrukturkurve wird flacher. Dieser „tolle“ Trick wurde vor 50 Jahren - ohne erkennbare Auswirkungen – schon einmal ausprobiert. Der damalige US-Notenbank-Chef Tobin erhielt später sogar den Nobelpreis. Die Realität zeigt aber: Eine flachere Zinskurve verringert die Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben. Diese Maßnahme ist daher eine gute Nachricht für jeden bonitätsstarken Investor, der billige Hypothekenzinsen sucht. Allen anderen erschwert sie die Suche.

Einen ähnlichen Effekt werden die neuen Eigenkapitalregeln für Banken haben. Immer wieder wird in den Medien davon geredet, dass es gut sei, wenn Banken mehr Eigenkapital aufweisen müssen. Politiker feiern sich für die Maßnahme selbst. Auf den ersten Blick erscheint das auch ganz „logisch“. Offensichtlich wissen aber genau diese Politiker gar nicht, wovon sie überhaupt reden. Es geht nämlich gar nicht darum, Banken mehr Eigenkapital zu besorgen, sondern deren Eigenkapitalquote muss erhöht werden. Der übersehene Mechanismus: Große Investmentbanken können – bei lediglich gleich bleibendem oder sogar sinkendem Eigenkapital in absoluter Höhe – durch eine Verringerung ihrer Bilanzsumme ganz einfach eine höhere Eigenkapitalquote erreichen.
Für Unternehmen und private Verbraucher bedeutet dies: Sie werden diese Maßnahmen und eine Kappung der Bilanzsummen der Banken durch verschärfte Kreditanforderungen zu spüren bekommen. Viele Banken werden ihr Eigenkapital also gar nicht erhöhen. Sie verringern ihre Kreditvergabe, damit auch ihre Bilanzsumme und ihre Eigenkapitalquote steigt als Folge automatisch!

Fazit

Unsere Welt ist zu komplex. Hervorragend ausgebildeten Topp-Bankern wird gerne vorgeworfen, dass sie diese Mechanismen nicht mehr verstehen können. Naiv und gefährlich ist in diesem Zusammenhang der Glaube, dass Politiker das besser könnten. Oftmals wissen diese offensichtlich gar nicht, wovon sie überhaupt reden. Es ist meist besser gar nichts zu tun, als nicht zu wissen was man überhaupt tut!




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