Dienstag, 25. Oktober 2011

Banken verstaatlichen?

Die "Linke" hat in ihrem Grundsatzprogramm die Verstaatlichung der Banken beschlossen. Eine "demokratische Kontrolle" der Banken forderte ein Attac-Vertreter kürzlich im Sender Phoenix.

Nun, wir haben bereits diverse staatliche Banken, und genau die haben am meisten riskant spekuliert. Während die Deutsche Bank ohne Staatshilfe die gesamte Finanzkrise ausgeritten hat, verpulverte die staatliche IKB das Geld des Steuerzahlers in irischen Finanzprodukten, die der Vorstand selbst nicht verstand. Die völlig überflüssigen staatlichen Landesbanken gehören zu den intensivsten Käufern von Griechenland-Anleihen.

Gerade sie sind in die heute kritisierten internationalen Geschäftsfelder eingestiegen, weil, wie mir der frühere Deutsche Bank Chef Hilmar Kopper einmal sagte, die weniger riskanten Bereiche durch die privaten Banken im wesentlichen besetzt waren. Die Sachsen-LB genauso wie die West LB, die so teuer wurde, dass sie wegen permanenten Missmanagements zerschlagen werden muss. Die Hamburg und Schleswig-Holstein gehörende HSH-Bank mußte ebenfalls 1 Milliarde abschreiben, weil sie sich verspekuliert hat. Und das beste: Ein Untersuchungsausschuß, der 27 Zeugen vernahm und 50 000 Seiten Papier produzierte, kam zu dem Schluß, dass man den staatlichen Einfluss sogar noch verstärken müsse.

Und weil keiner weiß, wie man die Eurokrise lösen soll, wird jetzt eine Erhöhung der Eigenkapitalquote angestrebt. Was eigentlich sinnvoll erscheint, könnte jedoch genau zu dem führen, was alle vermeiden wollen, eine Rezession. Denn die Eigenkapitalquote kann man auch durch Herunterfahren der Ausleihungen erhöhen. Mit anderen Worten: Man kündigt Kredite von Firmen, statt sich Geld vom Kapitalmarkt zu holen, was derzeit ohnehin schwierig ist.

Furchtbar, was derzeit an Schlaumeiereien in deutschen Talkshows losgelassen wird. Mit ökonomischem Sachverstand hat das meiste nicht zu tun. Da werden Sparkassen besonders gelobt, weil sie nicht wie die großen Privatbanken spekuliert hätten. Es mag der Hinweis genügen, dass zum Beispiel die Hamburger Sparkasse von Anlegern verklagt wird, weil sie zentnerweise Lehman-Zertifikate verkauft hat.
Dann wird das Investmentbanking als Zentrum der Spekulation ausgemacht. In Wahrheit verdienen Banken wie Goldman Sachs vor allem an der Beratung und Finanzierung von Fusionen und Unternehmensverkäufen. Was hat das mit Spekulation zu tun?

Und dann redet alles über die schlimmen Derivate. Alle nicken, wenn das Verbot von Derivaten gefordert wird, aber kein weiß, was Derivate sind. Die Wirtschaftspresse schreibt jeden Tag unendlich viel über das Hin und Her de Politik, erklärt aber nicht genug. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Wo bleiben die Verfechter des Marktes, die verstehen, was an den globalen Finanzmärkten passiert. Gestern bei Hart aber fair war der FDP-Politiker Solms stolz darauf, dass Leerverkäufe in Deutschland verboten worden sind. Dabei ist dieses Verbot lächerlich, denn Deutschland wird dafür nicht gebraucht. Und Leerverkäufe sind keine Erfindung der modernen Finanzmärkte, sondern haben jahrhundertelange Tradition.

Dass ich etwas nicht verkaufen darf, was ich noch nicht besitze, leuchtet dem Bürger ein, ist aber ökonomischer Unsinn. Möbel werden auch verkauft, bevor sie produziert werden, richtig? Autos auch. Und mancher Jahreswagen wird von Mitarbeitern der Autoproduzenten mit einem Aufschlag leerverkauft.
Die Hysterie in Deutschland hat leider auch die gesamte Wirtschaftspresse erfasst. Schuldenkrise, ja das macht Angst. Aber die Finanzmärkte sind daran nicht schuld, sondern Politiker, die ihr Land in den Ruin führen.
Es zeigt sich, dass nur wenige Journalisten mit internationaler Erfahrung verstehen, wie Finanzmärkte funktionieren.Aber Politik ist eben leichter als Derivate.

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