Freitag, 23. September 2011

Kommunikation: Von Greenpeace lernen

Gestern abend sprach ich gemeinsam mit Michael Pauli, dem Kommunikationschef von Greenpeace,  mit RTL-Journalistenschülern über das Verhältnis zwischen Journalisten und PR-Agenturen. Wir diskutierten über die Funktion von PR, über die guten und schlechten Seiten der Branche, wo PR für Journalisten nützlich sein kann und wann PR die Journalisten nervt.
Es war eine muntere, kritische Runde. Michael Pauli hielt einen exzellenten Vortrag über seinen Job bei Greenpeace, wo Transparenz groß geschrieben wird. Sogar die Gehälter der Mitarbeiter sind öffentlich. Glaubwürdigkeit hat oberste Priorität. Deshalb wird extremer Wert auf saubere Recherche und nachprüfbare Fakten gelegt. Fehlerhafter Berichterstattung wird intensiv nachgegangen, notfalls auch mit Rechtsmitteln. Wer unzulässig behauptet, zu kooperieren wie jüngst Ikea auf seiner Website, wird sofort in die Schranken gewiesen.
Mir wurde klar, wie vielseitig die Kommunikationswege der Umweltorganisation sind und wie professionell der gemeinnützige Verein im Sinne einer guten Sache in jeder Hinsicht aufgestellt ist. Kaum ein Internet-Tool, das nicht genutzt wird, spannende Videos auf Youtube mit weltweiter Verbreitung, eine brillante Bilderdatenbank, Newsletter, Magazine, mutige Leute und jeden Tag zahlreiche Interviews. Als Fukushimaexplodierte, wurden an einem Tag von den deutschen Greenpeace-Experten über 700 Interviews gegeben. Kann sich das irgendjemand in einem Konzern vorstellen?
Jedes Großunternehmen könnte von Greenpeace lernen. Nicht, was Emotionen betrifft. Das größere Problem sind die Fakten. Bei Greenpeace sprechen alle mit einer Stimme. Die Mission ist klar, die Emotionen sind nicht gekünstelt und die kommunizierten Fakten sind in aller Regel genau geprüft. Karrieredenken und Selbstdarstellung spielen eine untergeordnete Rolle.
In Konzernen oder politischen Parteien steht das Karrieredenken im Vordergrund. Emotionen sind rein marketinggetrieben und Fakten werden ohne Mediendruck nur herausgegeben, wenn sie dem positiven Image dienlich sind.
Bei Greenpeace kommt die Mission von unten, in Konzernen wird sie den Mitarbeitern meist von oben aufoktroyiert. Wenn alle wüßten, wofür sie jeden Tag arbeiten, gäben viele Unternehmen ein besseres Bild ab.



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