Montag, 12. September 2011

Starks Ausstieg ist der Einstieg in den Ausstieg Griechenlands



In seinem letzten öffentlichen Äußerung als Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank sagte Jürgen Stark im Handelsblatt vom 9.September:


"Die europäische Strategie dagegen baut auf sofortige Budgetkonsolidierung. Sie zielt darauf ab, die exzessive Schuldendynamik und die damit zusammenhängenden Finanzmarktverwerfungen schnell und nachhaltig in den Griff zu bekommen. Die Konsolidierung soll durch flankierende Finanzmarkt- und Strukturmaßnahmen möglichst stabilitäts- und wachstumsfreundlich wirken.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die europäische Strategie den richtigen Weg darstellt. Wir befinden uns in einer Situation, in der massive Tragfähigkeitsrisiken in den öffentlichen Haushalten Wachstum und Stabilität untergraben. Ein fiskalischer Stimulus ließe die Schuldenstände nur weiter ansteigen und würde daher diese Risiken noch weiter erhöhen. Die Anpassungskosten stiegen durch die Verschiebung der Konsolidierung in die Zukunft deutlich.
Ein abrupter Wechsel in der finanzpolitischen Strategie würde die Glaubwürdigkeit der Konsolidierungspläne untergraben. Im gegenwärtigen Umfeld ist daher eher davon auszugehen, dass positive Vertrauenseffekte aufgrund solider Finanzpolitik beträchtlich sein werden, was Fallstudien bestätigen: Ambitionierte Anpassungsprogramme gehen bereits nach kurzer Zeit mit positiven Wachstumseffekten einher."


Weil Stark diese Position offensichtlich nicht durchsetzen konnte, trat er zurück und die Börsen interpretierten den Rücktritt zu Recht als ganz brisante Schwächung des Euro. Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Die Euro-Krise verschärft sich oder besser gesagt: Jetzt könnten wir wirklich eine Euro-Krise bekommen, und der Rausschmiss Griechenlands ist kein auszuschließendes Szenario mehr.
Wie geht es jetzt weiter? Die Gedankenspiele in Teilen der schwarz-gelben Koalition, in denen schon von einer "geordneten Insolvenz" Griechenlands die Rede ist, zeigen, dass sich die Diskussion immer stärker gegen die Griechen wendet, die im Gegensatz zu Irland und Portugal keinen Schritt voran kommen. Die Schrumpfung des Bruttosozialprodukts um über 5% verschärft die Lage noch. Griechenland kann seine Versprechen nicht mehr einhalten. Wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dieses wissend gerade jetzt auf die Einhaltung griechischer Versprechen pocht, dann ist das bereits der Einstieg in den Ausstieg Griechenlands. Vielleicht wird es ein zeitlich befristeter Ausstieg, aber letztlich kann die griechische Abwärtsspirale nur durch einen Schuldenschnitt und den Ausstieg aus dem Euro  mit der Folge einer starken Abwertung gelöst werden.

P.S, Wer französische Banken stützen will, muss nicht Griechenland immer mehr gutes Geld in den Rachen schieben.

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