Montag, 15. August 2011

Das Inflationsgespenst

Viele nervöse Anleger flüchten ins Gold, weil sie angesichts der weltweiten Staatsverschuldungen eine Hyperinflation befürchten. Dass die Goldanlage nicht ohne Risiken ist, hat Vermögensverwalter Thomas Grüner hinreichend analysiert, siehe unten.
Aber warum eigentlich soll eine Inflation drohen? Wenn die Europäische Zentralbank Anleihen der Staaten aufkauft - mit dem Geld des europäischen Steuerzahlers, in erster Linie unserem Geld - dann ist das in der Tat ein bedenklicher Vorgang. Es ist wie Geld drucken. Und je mehr Geld im Umlauf ist, sollte man meinen, desto größer ist die Inflationsgefahr.
Das ist jedoch nur zum Teil richtig. Entscheidend ist, ob dies Auswirkungen auf die Realwirtschaft hat, also zu steigenden Preisen führt.  Würde der Staat zum Beispiel mit dem neu gedruckten Geld (bezw. den von der EZB gekauften Anleihen) zusätzliche Bauaufträge vergeben, die die vorhandenen Baukapazitäten übersteigen, dann müßten die Preise steigen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, also steigen die Preise solange, bis Angebot und Nachfrage wieder übereinstimmen. So steigende Preise können zu höheren Lohnforderungen und zu einer gefährlichen Lohn-Preisspirale wie in der Folge der Ölkrisen 1975/78 führen. So kann Inflation entstehen. Die Antwort wären kräftig steigende Zinsen, die eine Überhitzung der Wirtschaft verhindern, bezw. abfedern.
Ähnliches kann durch stark steigende Kosten (Rohstoffe-Ölpreise) ausgelöst werden. Aber auch hier ist entscheidend, ob die Kosten durch höhere Produktivität im globalen Wettbewerb aufgefangen werden können.Dies haben wir in den letzten Jahren mit der deutschen Wirtschaft erlebt. Sie hat sich trotz explodierender Rohstoffpreise im Wettbewerb behaupten können, nicht zuletzt durch eine verantwortungsbewußte Lohnzurückhaltung der Gewerkschaften.
Die gegenwärtigen Perspektiven der Weltwirtschaft sind nicht überschäumend positiv, aber auch nicht so schlecht, wie sie teilweise geschrieben werden. Nirgends besteht die Gefahr der Übernachfrage und das vergleichsweise moderate Wachstum weltweit hat auch die Ölpreise gebremst. Hinzu kommt ein wachsendes Energiebewußtsein, das kostenmindernd wirkt. Die Schulden der Staaten führen auch mittelfristig nicht in die Inflation, weil von den Staatsanleihen kein nennenswerter Einfluss auf die Realwirtschaft ausgeht. Gerade die intensive Diskussion der Schuldenbegrenzung in Europa und in den USA trägt zu wachsendem Problembewußtsein bei. Haushaltskonsolidierung ist angesagt und alle Staaten arbeiten an dieser vordringlichen Aufgabe. Dabei muss man vor allem beachten, dass die Sparanstrengungen Wirtschaften nicht überfordern und kaputtsparen. Brüning hat gezeigt, wie leicht das zur Radikalisierung der Bevölkerung führen kann. Ausgewogenheit ist das beste Rezept, auch wenn es langweiliger ist, darüber zu schreiben.

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