Freitag, 19. August 2011

Air Berlin - ein kurzes Märchen

Joachim Hunold hat aus dem Nichts innerhalb von knapp 20 Jahren die zweitgrößte Luftflotte Deutschlands aufgebaut:
Operative Kennzahlen20102009
Flugzeuge169163
Flüge262.591249.202
Fluggäste (Tsd.; "Pax")33.59332.373
Destinationen163134
Angebotene Sitz-Kilometer (Mrd.; ASK)58,77856,659
Verkaufte Sitz-Kilometer (Mrd.; RPK)45,24443,911
Sitzladefaktor (%; Pax/Kapazität)76,7977,47
Trotz dieser  beeindruckenden Zahlen macht das Unternehmen seit Jahren keinen Gewinn - im Gegensatz zur Lufthansa. Die Schuld hat Hunold immer auf andere geschoben: Mal war es die Vulkanasche, mal störten die steigenden Ölpreise. jetzt ist die Luftverkehrsabgabe der Bösewicht.
Die Wahrheit ist: Das Unternehmen laviert seit Jahren am Rand der Krise. Air Berlin hat nie genug Reserven sammeln können, um unverschuldete Krisen ohne Blessuren überstehen zu können. Die bewusste Expansionsstrategie ("Wachstum durch Akquisition") nach dem Börsengang 2006 war eine Flucht nach vorne, ohne die Hunolds Airline längst die Flügel gestreckt hätte. Wachstum beruhigt Investoren, aber man kann sich an Zukäufen auch verschlucken, wenn Synergien nicht gehoben werden. Die Akquisition  krisengeschüttelter Konkurrenten wie Deutsche BA oder LTU hat jedenfalls bislang mehr Probleme als positive Ergebnisse gebracht. Man muss hinzufügen: während ihr Chef zugleich auf jeder Party in Deutschland tanzt.

Die unternehmerische Leistung ist unbestritten und geradezu märchenhaft. Jetzt ist das Märchen zu Ende und das Ganze eine Nummer zu groß für den Selfmademan Joachim Hunold. Die gute Nachricht für die Mitarbeiter ist: Ab einer bestimmten Größe kann man Unternehmen nicht mehr pleite gehen lassen. So gesehen hat sich das rasante Wachstum vielleicht doch gelohnt. Willkommen Herr Mehdorn!




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