Sonntag, 11. März 2012

Vom Eigennutz zum Wertnutz

Philipp Plickert warnte heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor den Verheißungen der neu entdeckten Verhaltensökonomie. Zum Begriff siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Verhaltensökonomik.

Letztlich stellt die neue Verhaltensökonomik eine Grundthese der Marktwirtschaft in Frage, dass die Marktwirtschaft deswegen so gut funktioniert, weil sie auf rationalen und eigennutzorientierten Verhaltensweisen der Individuen bezw. der Konsumenten basiert.
Wenn man das  in Frage stellt, ergibt sich als Konsequenz, dass jene Recht haben, die mit möglichst viel Staat den Einzelnen vor seinen permanenten Fehlentscheidungen schützen wollen. Man nennt das Sozialismus.

Tatsächlich kann man in den letzten Jähren das Phänomen beobachten, dass Eigennutz immer mehr an den Pranger gestellt wird.  Der Grund ist die Diskreditierung des Eigennutzes durch Eliten, die ihre Gier nicht zügeln konnten:  In der Finanzkrise gerieten viele davon an den Pranger. Aber auch ein Christian Wulff hat kräftig zur Diskreditierung von Eigennutz beigetragen.
Vielleicht hat das aber auch etwas Gutes. Denn in dieser Gesellschaft wächst nicht zuletzt durch diese Entwicklungen das Bewusstsein, dass es neben dem persönlichen Profit noch anderes, oft wichtigeres im Leben gibt.

Da gibt es ethische Banken wie die Steyler Bank, die ihren gesamten Gewinn für soziale Projekte ausgibt. Und viele ihrer Kunden verzichten sogar auf Zinsen. Da gibt es den großen Trend zur Nachhaltigkeit. Da gibt es nach Abschaffung der Wehrpflicht viele, die sich freiwillig zum Zivildienst melden. Die vielen Ehrenamtlichen nicht zu vergessen.
Und schließlich. Der akademische, oft grün wählende Nachwuchs von heute denkt wesentlich weniger profitorientiert als frühere Generationen.  Um ihn werden die Unternehmen  angesichts zunehmenden Mangels immer heftiger  werben müssen. Und das verändert  die Unternehmen  schon heute nachhaltig  - im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich glaube, es gibt hier einen Paradigmenwechsel: Vom eigennutzorientierten zum wertnutzorientierten Verhalten, das den Eigennutz einschließt, ihn aber relativiert. Von Schumpeter wissen wir:  "Der Unternehmer haftet mit seinem Einkommen an den Entwicklungswerten der Zukunft."  Das wird künftig nicht nur für Unternehmer gelten, sondern für jeden einzelnen von uns.

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